Sternenschnee

 

Kim Carrey:

Sternenschnee (11)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Erleuchtung

(2.D) Baum des Lebens

 

 

Trotzdem gibt es die Aussage, dass des Meisters Gnade erforderlich ist zum geistlichen Erwachen des Schülers. Der bloße Gnadenblick des Meisters kann die Schlafbefangenheit ahnungslosen Nichtwissens, die den Schüler umschlossen hält, zerstäuben und ihn zum wahrhaft Wirklichen erwecken[1].

 

Allerdings hatten auch schon die mittelalterlichen christlichen Mystiker und Heiligen keinen äußeren Guru, sondern >Jesus, den Christus Gottes< (Kap. 44) als inneren „Meister aller Meister“. Weitere Aspekte, welche in der Bezugnahme auf einen Meister eine Rolle spielen können, finden sich im Kapitel Nr. 48 >Okkulter Gehorsam<.

 

Und auch nach GOLAS ist zur Erlangung der >Erleuchtung< kein Guru o.ä. notwendig, sondern das Aufgeben jeglichen Widerstandes, wie dies bereits näher im Kap. Nr. 1-B >Einleitung< ausgeführt wurde. So hat GOLAS seinem Büchlein auch den unkonventionellen Titel gegeben >Der Erleuchtung ist es egal, wie du sie erlangst<[2].

 

Die zuvor ausführlicher geschilderte >Erleuchtung< vom 16.07.2006 war allerdings nicht mein erstes (wenn auch umfangreichstes) Erleuchtungserlebnis, sondern mein vorerst letztes (Aussage vom Okt.2015). Neben dem Tatbestand jahrelangen >Auftretens von Blitzen< (Kap. Nr. 39), was nicht als >Erleuchtung< zu bezeichnen ist, hatte ich schon früher drei reale größere echte Erleuchtungserlebnisse. Eines davon ist geschildert im Kapitel Nr. 41-D >Sonnenfinsternis< zum Datum des 12.08.1999 und soll hier nicht noch einmal ausgeführt werden.

 

Mein erstes Erlebnis dieser Art hatte ich allerdings bereits 1985[3], zwei Jahre nach Beginn meines geistigen Weges. Es hatte jedoch meines Erachtens gar nicht absolut mit diesem meinem geistigen Weg zu tun, sondern kam durch einen besonderen anderen Umstand zustande, welcher mit einem Mann zusammenhing, der bereits seit einigen Jahren geistig orientiert war und mit dem ich ein intimes Verhältnis hatte.

 

In einer intimen Situation ermöglichte er mir durch ein besonderes Verhalten (dem ich wiederum speziell begegnen konnte[4]) den Übertritt in die geistige Welt, indem mir in der sekundenweisen >Erleuchtung< ein Baum gezeigt wurde, welcher die Wurzeln oben hatte und die Baumkrone nach unten. Es handelte sich meines Erachtens um den „Baum des Lebens“ im Unterschied zum „Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“.

 

In der besonderen Situation war es mir gelungen, einen längeren Zustand extremer Leere herzustellen, was ich ohne diesen Mann in diesem Ausmaß niemals allein geschafft hätte. Insofern habe ich dieses Erleuchtungserlebnis ihm zur Hälfte zu verdanken – ansonsten hatte er allerdings verschiedene charakterliche Mängel, die mich letztlich zur Trennung veranlasst haben.

 

Nun zu dem Unterschied zwischen dem „Baum der Erkenntnis“ und dem „Baum des Lebens“. Weshalb ich meine, dass es sich um den „Baum des Lebens“ handelte, der mir gezeigt wurde, liegt daran, dass ich im Grunde genommen für kurze Zeit in dieser speziellen Situation auch mit meinem Ätherleib (nicht nur mit Astralleib und Ich) frei geworden war von meinem physischen Körper, also ein (zwar von mir nicht bewusst beabsichtigtes) >Herausziehen des Ätherleibes< (Kap. Nr. 16) stattgefunden hatte, was ich damals alles noch gar nicht erkennen konnte. Und der Ätherleib wird in der Bibel (nach esoterischer Lehre) als der „Baum des Lebens“ bezeichnet.

 

Nach Aussagen von STEINER werden auch über den „Baum des Lebens“ in der >Bhagavad-Gita<[5] Aussagen gemacht. Er wird dort als Ashvattha-Baum (= Feigenbaum) beschrieben, der genau die Wurzeln aufwärts und die Zweige abwärts gerichtet hat, wie dies in meinem Erleuchtungserlebnis war. Es wird außerdem ausgesagt, dass der Baum auch Blätter haben soll, welche die Seiten des Veda-Buches darstellen. Dieser „Baum des Lebens“ repräsentiert die okkulte Tatsache der ätherischen Abbildung des eigenen Nervensystems, wenn der Mensch dieses mit Hellsichtigkeit[6] betrachten kann[7].

 

Demgegenüber handelt es sich bei dem „Baum der Erkenntnis“ um den physischen Körper und von dem „Baum der Erkenntnis“ zu essen, bedeutet, dass die Seele des Menschen Erkenntnis sucht, die am physischen Leib haftet. Dieses nicht zu tun, war das Gebot an Adam und Eva im Paradies gewesen, welchem sie nicht gefolgt sind[8].

 

Der „Baum der Erkenntnis“ wird auch als Todesbaum bezeichnet, denn er repräsentiert die materielle Welt. Und von den Früchten des „Baumes der Erkenntnis“ zu essen bedeutet, dass der Mensch sich mit seinem Körper statt mit seinem Göttlichen Selbst identifiziert und dadurch dem Reich des Todes verfallen ist[9].

 

Mein zweites Erlebnis der >Erleuchtung< trat auf in der Nacht zum 19.11.1993 innerhalb des Schlafvorganges. Dieses Erlebnis geschah so schnell, dass ich es fast kaum erinnert hätte, wenn ich nicht unmittelbar danach wach geworden wäre, weil ich mich eigentlich im Tiefschlaf befunden hatte.

 

Für den Bruchteil einer Sekunde drehte sich mein Seinszustand völlig um und ich war sekundenweise von >Erleuchtung< erfüllt. Währenddessen offenbarte sich mir innerhalb dieses überirdischen Lichtes für diesen zeitlichen Bruchteil das Bild Gottes. Die gesamte Lichterscheinung war wie ein rundes bzw. ovales Bild, nicht sehr groß (vielleicht ein Durchmesser von 10 cm) und gleichzeitig war ich vollkommen erfüllt davon.

 

Physikalisch ist das alles nicht begreifbar. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde und geschah auch wieder in einer Überwältigung. Es war tatsächlich, als ob sich mir Gott-Vater von Angesicht zu Angesicht offenbart hätte – wenn auch in einer gewissen sehr weiten Ferne, die durch die Kleinheit des Bildes von 10 cm dargestellt war.

 

Diese Begegnung von Angesicht zu Angesicht ist überhaupt das letztendliche einzige Ziel des Mystikers: dass die ewige Sonne des Lebens, Gott, sich dem Gläubigen in dieser Weise offenbart[10]. Und auch HURTAK sagt: „Der Verlauf vom Glauben an des Vaters ICH BIN zum Sehen des ICH BIN DER ICH BIN von Angesicht zu Angesicht ist die Essenz unserer Seelenerfahrung in dieser Lichtverkörperung“[11].

 

Das „Schauen von Angesicht zu Angesicht“ wurde von der UR-Gottheit als Vater durch Seine Barmherzigkeit ermöglicht, indem Er den Gotteskindern doch den Zutritt zu Ihm ermöglicht, obwohl Er sonst eigentlich im unzugänglichen Licht wohnt[12].

 

Fast wäre ich nach dem Erleuchtungserlebnis im Traum gleich wieder eingeschlafen, so müde war ich. Aber die Kraft der Erleuchtungserscheinung durchdrang mich so massiv und hatte mich so stark überwältigt, dass ich eben doch wach geworden war. Schon unmittelbar danach konnte ich mich nur mit großer Mühe erinnern.

 

Dass mir eventuell dieses Erlebnis zuteil geworden war, hatte durchaus Zusammenhänge mit den Stunden davor, die sich real in meinem Leben abgespielt hatten. Leider würde es zu weit führen und zu aufwendig sein, dies alles auszuführen. So will ich es nur abstrakt andeuten: Ich hatte bezüglich eines bestimmten Menschen in der spirituellen Szene bestimmte Wahrnehmungen von dessen Person gehabt, welche inhaltlich thematisch mit dem Vater-Gott (bereits ganz in der Realität) zusammenhingen.

 

Diese Wahrnehmungen von mir waren bezüglich dieses Menschen sehr negativ gewesen, und ich hatte aber mit großer Wahrscheinlichkeit etwas von einer sehr geheimen Wahrheit erfasst gehabt. Solche Wahrnehmungen sind mir manchmal möglich. Es ist gar nicht anders denkbar, als dass die dann in der Nacht folgende >Erleuchtung< mit diesem realen Erleben zusammenhing, da es beide Male um Gott-Vater ging.

 

Wer ist nun überhaupt Gott-Vater oder der Vater-Gott?

Aus der christlichen Lehre ist der „Vater“ bekannt als eine der drei Wesenheiten der göttlichen Trinität (neben dem Sohn und dem Heiligen Geist)[13]. In der Theosophie bzw. Anthroposophie wird dies präzisiert, insofern der „Vater“ als die erste Form der Trinität gesehen wird[14]. Dazu differiert allerdings eine Aussage, welche den „Vater“ als den dritten Logos bezeichnet[15].

 

Verschiedene christliche religiöse Gemeinschaften wenden sich prinzipiell nur an den göttlichen „Vater“ und nehmen entsprechend dazu die Position eines Kindes ein, sozusagen als Kind Gottes (siehe Kapitel Nr. 14 >Ursprungsfamilie<). Demgegenüber gibt es die Anschauung, ein Verhältnis zu >Jesus, dem Christus Gottes< (Kap. Nr. 44) als göttlichem Bruder zu entwickeln[16].

 

Fortsetzung erfolgt in Teil E des Kapitels Nr. 2 >Erleuchtung<

 



[1] ZIMMER/Der Weg zum Selbst/S.190

[2] GOLAS/Der Erleuchtung ist es egal, wie du sie erlangst.

[3] Ich habe dieses Erleuchtungserlebnis erst nachträglich in meinem Tagebuch protokolliert, nämlich am 22.11.1993 aus dem Anlass, dass drei Tage vorher mein zweites Erlebnis der >Erleuchtung< aufgetreten war.

[4] Es handelt sich um eine besondere Methode der Intimität, für die es sogar einen Namen (den ich absolut nicht mehr weiss) und Bücher darüber gibt, worüber ich jedoch nicht hinreichend informiert bin und mir nähere Aussagen darüber auch zu persönlich wären; deswegen muss es bei den sibyllinischen Worten bleiben (Anm.d.Verf.).

[5] Bhagavad-Gita: FN bei 29-C >Avatarin<.

[6] Hellsichtigkeit: FN zu „Imagination“ im Kap. 7-F >Tyrannei<.

[7] STEINER/TB626/S.90ff.

[8] STEINER/GA253/S.59f.

[9] HAICH/Einweihung/S.201

[10] WEINFURTER/Der brennende Busch/S.305

[11] HURTAK/S.52

[12] WOLF/UR-Ewigkeit/S.14

[13] Nach Notizen der Verfasserin.

[14] STEINER/GA93a/S.131

[15] TIBETER/Kosmisches Feuer/S.182

[16] (Prophetin) GABRIELE/Der Innere Weg/S.1074