Kim Carrey:

Sternenschnee (58)

Esoterische Studien einer Autobiographie

13. Aurisches Wesen, Teil D

 

 

Die Krankheitssymptome[1] (von mir) waren:

a)      Ich hatte von frühester Kindheit an >Schlafstörungen<.

b)      Ich hatte Angst vor dem Mond und musste meinen Blick senken, wenn ich ihn am Himmel stehen sah.

c)      Ich habe jahrelang an meinen Nägeln gekaut und ebenfalls an der Fingerkuppenhaut.

d)      Ich bin permanent in dem Kontakt mit anderen Menschen (sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern) errötet. Dies hielt bis circa meinem 25. Lebensjahr an. Ich entwickelte da allerdings Strategien, um das Erröten in den Griff zu bekommen, wobei ich feststellte, dass mir dies besser gelang, wenn ich mein Gesicht zum Licht (entweder dem Fensterlicht oder einer elektrischen Lampe) gewendet hielt. Tatsächlich verschwand das Erröten dann insgesamt sukzessive.

e)      Ich konnte von Kindheit an keine Tasse halten, ohne dass meine Hand gezittert hat oder mein Kopf gewackelt hat. Dieses Problem hatte ich bis ins hohe Alter von mindestens 50 Jahren, und ich hätte es immer noch, wenn ich mich nicht bei diesem Vorgang extrem konzentrieren und beherrschen würde. Notfalls nehme ich die zweite Hand zu Hilfe.

f)        Ab der Pubertät hatte ich totale Redehemmungen, wenn ich Vorträge halten oder etwas vorlesen musste (während ich eigenartiger vor der Pubertät sogar besonders gut vorlesen und auch als Solosängerin singen konnte). Jedoch ab der Pubertät blieb mir dann die Luft weg, ich hatte völlig Atemnot. Dies hat sich bei mir niemals geändert, mit dem Unterschied, dass ich sogar als Erwachsene in Ausübung meiner Berufstätigkeit Vorträge halten musste, wo ich fast gestorben bin. Es war ein untragbarer Zustand. Ich habe dies nur bewältigt, indem ich diese Vorträge umfunktioniert habe zu einem Dialog[2] mit den Zuhörern; denn eine kurze Sequenz konnte ich immer sprechen. Wenn ich dann die Zuhörer einbezog und sich einige äußerten, bekam ich wieder Luft, und konnte dann eine zweite Sequenz bewältigen. Im Grunde genommen wäre ich berufsunfähig gewesen.

g)      Ich habe (immer noch) eine neurotische (manchmal bis ins Panische gesteigerte) Angst vor verschiedenen Tieren, die ich nicht näher benennen möchte.

h)      Ich war latent magersüchtig, d.h. ich hatte einen Ekel vor vielen Nahrungsmitteln und aß diese einfach nicht. Hier hat meine Mutter sich allerdings großartig verhalten, indem sie mich niemals zum Essen gezwungen hat und mir sogar extra Griesbrei u.ä. gekocht hat. Interessanterweise hat sich jedoch die Magersucht völlig gelegt, als ich mich ab dem 17. Lebensjahr (während einer Lehrstelle) selbst in einer Kantine versorgen konnte. Hier entwickelte ich dann regelrecht Appetit, mit dem ich heute im späteren Alter sogar zu ringen habe, um nicht sukzessive Gewicht zuzulegen.

Vermutlich hatte (und habe) ich noch weitere Symptome, die mir gar nicht mehr einfallen.

 

Entscheidende Erkenntnisse über meinen Hass (und den von anderen Menschen) fand ich bei dem Psychoanalytiker HEINZ KOHUT in seinem Buch >Die Zukunft der Psychoanalyse<. In einer m.E. zutreffenden Wortwahl bezeichnet er den Hass (der in religiösen Darlegungen auch „Zorn“ genannt wird) als „narzisstische[3] Wut“.

KOHUT hat sich mit dem Thema der narzisstischen Wut insbesondere auch deshalb beschäftigt, um deutende Anhaltspunkte für die >Grausamkeiten< der Nazis[4] zu liefern[5].

Seine psychoanalytischen Thesen sind nun hier bei >Aurisches Wesen< über das für dieses Kapitel relevante Ausmaß hinaus von mir im folgenden referiert worden, weil auf diese Darlegungen auch in anderen Kapiteln inhaltlich Bezug genommen wird. Dies ist erfolgt im Kapitel

a)      >Grausamkeiten< wegen der Nazis,

b)      >Jesus, der Christus Gottes< wegen des Christentums,

c)      >Gewaltlosigkeit< wegen des krankhaften Bewegungsdranges des Jungen meiner bösen Nachbarin Frau Brandel in Berlin-Lichtenrade,

d)      >Wahnsinn oder unendliche Liebe< wegen der Amokläufe durch Jugendliche,

e)      >Spirituelle Gemeinschaft< wegen einer Kränkung der dort herrschenden Gruppen-Kohäsion.

 

Am 21.10.2008 stieß ich zufällig (weil ich bestimmte Ordner aufräumte) auf von mir angefertigte Exzerpte über die Thesen von KOHUT – und war erneut von seiner Analyse beeindruckt, denn ich konnte

a)      bestimmte (relativierte) Aspekte über narzisstische Wut davon bei mir selbst wiederfinden und erkannte

b)      zugleich die Psychopathie meiner bösen Nachbarin bzw. ihres zu krankhaftem Bewegungsdrang neigenden Jungen.

Die Hypothesen von KOHUT beziehen sich also weniger auf meine Mutter, als vielmehr auf das Ergebnis, das letztlich durch die Persönlichkeit und das Verhalten von ihr auf meine Person erzielt worden ist. Aber zwangsläufig treffen verschiedene Aspekte auch auf meine Mutter zu. Sie hat ihre narzisstische Störung nur durch eine extreme Ich-Panzerung und Durchsetzung ihres eigenen Willens abgeschottet.

 

Noch an demselben Tag stieß ich dann wiederum „zufällig“ auf weitere – völlig andere – Darlegungen, nämlich aus geistiger Sicht nach LORBER über den Zorn, durch den eine Menschenseele sich angeblich in die erste und in die zweite (oder sogar dritte) Hölle katapultiert[6].

Die Darlegungen in der Zeitschrift >Geistiges Leben< sind dort nun referiert von einem Autor namens GERD KUJOTH, wobei mir die fast völlige Gleichheit der Buchstaben (nur in anderer Reihenfolge) in den Namen KOHUT und KUJOTH auffiel. In Bezug auf die entsprechende Thematik beider Autoren finde ich dies bemerkenswert.

 

Schon seit mindestens 20 Jahren, wo ich bereits die Darlegungen von KOHUT über den Narzissmus und die narzisstische Wut kannte (obwohl ich sie zwischenzeitlich „vergessen“ hatte), hatte ich mich immer gefragt, wie der esoterische karmische Zusammenhang dafür sei: Weshalb ein Mensch den betreffenden frühkindlichen Sozialisationsbedingungen ausgesetzt sei und was er in einer vergangenen Inkarnation entsprechend verbrochen hätte. Denn gerade viele intelligente und kultivierte Menschen sind von einer narzisstischen Störung betroffen, wobei jetzt in diesem Punkt nicht die Nazis und deren heute noch agierende Anhänger gemeint sind, bei denen diese Entwicklungslinie einen darüber hinausgehenden anderen Schwerpunkt genommen hat. Der Zusammenhang und die Abgrenzung werden noch deutlich werden.

 

Durch die Darlegungen von KUJOTH schien ich nun endlich erstmals fast völlige theoretische esoterische Aufklärung über diese narzisstische Wut erlangt zu haben, wobei die Ausführungen für mein Verständnis irgendwie extrem kompliziert sind. Von JAKOB LORBER (bzw. in Wahrheit vom HERRN Selbst) wird nämlich dargelegt, wie der Vorgang der Kränkung auftritt als Verfehlung früherer Leben, wo sich der Geist zu sehr an die Materie bzw. den sinnlich-fleischlichen Genuss gekettet hatte und nun dadurch an das Böse gefesselt ist.

Sowohl im Zustand der ersten als auch dem der zweiten Hölle wird die Seele dann (im folgenden Leben) einer Fastenbehandlung (ansonsten als „Läuterung“ oder Katharsis[7] bezeichnet) unterzogen, um sie vom materiellen Zustand zu befreien. Und durch das erlebte zwanghafte Fasten (= Läutern) führt dies bei dem Geist (des betreffenden Menschen) meist zu einer Kränkung und Beleidigung, weil ihm die frühere begierliche (sinnliche und seelische) Nahrung vorenthalten wird.

 

Die zweite Hölle ist dann eine verstärkte Wiederholung der ersten Hölle und tritt wiederum in einer weiteren Inkarnation auf, wenn die Läuterung in der vorhergehenden Inkarnation nicht gelungen ist.

Im selteneren (!), besseren Fall kehrt der Geist (des Menschen) hier um, kräftigt sich und erhebt dann seine Seele mehr und mehr. Im gewöhnlichen, schlimmeren Fall ist der Geist jedoch noch beleidigter als früher und wird zornig auf Gott. „Dieser Zorn gegen die Gottheit ist höchster Hochmut und Herrschsucht. Da ist dann der Menschengeist erneut böse geworden und befindet sich in der dritten Hölle, aus der er freiwillig nicht mehr herausgeht“[8].

Damit ein Mensch den Zorn überwinden kann, wird dann der evangelische Segensspruch empfohlen: „ER aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unseres HERRN Jesu Christ“[9].

Die geistigen Deutungen nach LORBER (referiert von KUJOTH) würden natürlich auf meine eigene Person ein extrem ungünstiges Licht werfen; ich hoffe aber, dass dies alles bei mir (als einem Lichtarbeiter und „Lastenfreien Lastenträger[10]) im Sinne eines Opfers erfolgt ist und dies eventuell entsprechend ebenfalls auf die anderen kultivierten und intelligenten Menschen zutrifft, die vielleicht gerade auch zur „Sternensaat“ gehören.

 

Nun möchte ich zu den psychoanalytischen Darlegungen über die narzisstische Wut kommen. Zunächst legt KOHUT zum Narzissmus allgemein dar, dass dieser eine völlig unabhängige Entwicklungslinie von primitiven zu gereiften, adaptiven[11] und kulturell wertvollen Formen darstellt. Dies bedeutet: Narzissmus gibt es in jeglicher Gesellschaftsschicht unter Menschen jeglichen Intelligenz- und Kulturniveaus[12]. Dabei kann Narzissmus auch adaptiv und wertvoll sein und muss nicht notwendigerweise krankhaft und böse sein. (Über die positive Wertigkeit des Narzissmus finden sich bereits Darlegungen im Kapitel >Einleitung<.) Ein erhöhtes Selbstbild kann z.B. auch bei Objektliebe stattfinden[13].

Ausgangspunkt von KOHUTs Überlegungen war das nationale Schicksal des deutschen Volkes, dessen Rachedurst nach der historischen Niederlage von 1918 beinahe zum Untergang der ganzen westlichen Zivilisation geführt hatte.

 

Eine gewisse Argumentationslinie bei KOHUT ist, dass vom Christentum (siehe >Jesus, der Christus Gottes<) Vorgaben existieren, nach denen die Manifestation des grandiosen[14] Selbstes beim Menschen gezügelt werden muss. Jedoch ist die Wahrheit, dass die niedergehaltenen (aber nicht modifizierten) psychischen Strukturen intensiviert werden, wenn sie gehindert werden, sich auszudrücken. Sie durchbrechen dann plötzlich die brüchigen Kontrollen und führen zu ungehemmter Verfolgung grandioser Ziele und zu widerstandsloser Verschmelzung mit omnipotenten[15] Selbst-Objekten.

Hier weist KOHUT[16] hin auf die erbarmungslos durchgesetzten Ambitionen[17] Nazi-Deutschlands[18] und auf die totale Hingabe der deutschen Bevölkerung an den Willen des Führers Adolf Hitler[19].

 

Offiziell wird die wichtige Rolle des Narzissmus geleugnet, dabei ist sie jedoch überall erkennbar. Als einzig berechtigte Möglichkeit für eine narzisstische Befriedigung wird von seiten des Christentums eine Verschmelzung mit dem omnipotenten Selbst-Objekt von >Jesus, dem Christus Gottes< angesehen[20], so wie dies von Mönchen und Nonnen als ausdrückliches Ziel gelebt wird. Tatsächlich ist es dies, was auch ich selbst anstrebe.

Zum Narzissmus (= kurz: der Selbstliebe) existierte 1975 (nach KOHUT) immer noch eine verlogene Einstellung[21], wie sich dies auch bis 2011 m.E. im wesentlichen nicht geändert hat.

 

Solche archaisch[22]-narzisstischen Strukturen wie Ich-Autonomie und Ich-Dominanz müssen umgewandelt werden in sozial nützliche, adaptive und beglückende Fähigkeiten, nicht aber dürfen sie unterdrückt werden. Der Mensch (und insbesondere das Kind) muss das Recht haben, mit dem vollen Spektrum seiner Emotionen reagieren zu dürfen (insbesondere auch mit Enttäuschung und Zorn); wobei er sich allerdings mit Beherrschung äußern sollte[23].

Damit dies im Leben eines Menschen gelingen kann, muss in der frühen Kindheit der Kern eines kohäsiven[24] Selbstes herausgebildet werden. Ansonsten werden im jugendlichen und erwachsenen Alter die Mängel in dieser Kernbildung reaktiviert und zu schicksalsmäßigen Schwierigkeiten führen[25].

Insbesondere in der Adoleszenz[26] kann es zur Fragmentierung[27] (= Zerfall) des Selbstes kommen, wenn der junge Erwachsene eigentlich ein neues (oder modifiziertes[28]) Selbst konstruieren muss[29] (siehe dazu die Darlegungen über Jugendliche im Kapitel >Wahnsinn oder unendliche Liebe<).

 

Bei allen neuen Anforderungen an den Jugendlichen oder Erwachsenen besteht die Gefahr, dass der in der Kindheit gebildete Prototyp[30] des Selbst neu aktiviert wird. Dieser Prototyp, der bei der Bildung des frühen Selbst entstanden war, enthält die spezifische Form der späteren Verletzbarkeit oder Sicherheit im narzisstischen Bereich. Er enthält die Schwankungen zwischen Höhen und Tiefen der Selbstachtung, des Bedürfnisses nach Lob und nach Verschmelzung mit idealisierten Figuren. Dies alles ist dann als problematisch anzusehen, wenn in der Phase, wo das Kind anfing, ein grandios[31]-exhibitionistisches[32] Selbst und ein omnipotentes[33] Selbst-Objekt aufzubauen, die Wechselbeziehung zwischen Eltern und Kind traumatisiert[34] worden ist. Durch den dort erlittenen narzisstischen Schlag fand dann bei dem Kind ein erster offener Zusammenbruch des Selbst statt[35], was durchaus von keinem anderen Menschen bemerkt zu werden braucht.

 

Fortsetzung folgt im Teil E zum Kapitel Nr. 13. >Aurisches Wesen<.