Sternenschnee

 

Kim Carrey:

Sternenschnee (69)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Aurisches Wesen (13.O) Liebes Kind

Wann werde ich endlich frei sein?

 

 

Am 10. Januar 2008 musste ich dann spät abends immer zwanghaft an meine Mutter denken – nicht von mir ausgehend. Und ich empfand eine gewisse Bedrückung, als ob sie mich auch jetzt noch – wo sie im bewusstlosen Zustand war – aus der Astralwelt heraus verfolgte. So wie dies auch sonst immer gewesen war, wenn wir uns gestritten hatten. Und ich protokollierte: „Wann werde ich endlich frei sein?!“

 

Ich hatte keinerlei Liebe zu ihr persönlich – auch wenn mich ihr komatöser Zustand und alles allgemein Menschliche sehr belastete. Ich notierte: „Ich wünsche dies alles meinem ärgsten Feind nicht – also auch nicht meiner Mutter, die im Grunde genommen mein größter Feind ist“. Dabei hatte ich gleichzeitig Angst, dass sie sich wieder regenerieren und ein schwerer Pflegefall bleiben könnte, wie mir dies auch ein Krankenhaus-Pfleger im Gespräch bestätigte, der die Aufgabe zugeteilt bekommen hatte, sich mit mir längere Zeit zu unterhalten, während ich an dem Bett meiner Mutter saß.

 

Dieser sehr sympathische Pfleger sagte mindestens dreimal im Laufe der 30 Minuten zu mir: „Sie können durchaus die Hand ihrer Mutter anfassen“ oder dergleichen, was ich jedoch unbewusst – aber dann auch bewusst - einfach nicht tat. Ich hielt prinzipiell körperlichen Abstand von meiner Mutter, deren Seele sowieso schon halb im Jenseits weilte. Und ich fragte den Krankenpfleger, was denn aus meiner Mutter werden solle, wenn sie wieder aufwachen würde? Er antwortete dann, dass sie eben in ein Pflegeheim kommen müsste. Ich äußerte daraufhin mein Entsetzen mit der Tendenz, dass es mir lieber wäre, wenn sie jetzt sterben würde – natürlich etwas verschleiert.

 

Dieses längere Gespräch begründete sich darin, dass man sich in dem Krankenhaus definitiv schuldig an dem Zustand meiner Mutter fühlte und man wollte herausbekommen, ob man von mir ein gerichtliches Vorgehen zu befürchten hätte, was ich versuchte, durch meine distanzierte Haltung zu verneinen.

In der >Meditation< vom 13. Januar 2008 hatte ich dann die starke Empfindung meines eigenen Ego-Sterbens[1] – wie auch schon in den Meditationen der Tage davor.

 

Noch einmal wurde ich auch am 14. Januar 2008 in Unruhe versetzt, als es darum ging, ob für meine Mutter ein amtlicher Betreuer bestimmt werden sollte. Ich hatte nun Angst, dass man statt meiner einen Amtspfleger wählen würde. Dies rührte erneut all die nicht mögliche konstruktive Kommunikation mit meiner Mutter auf; denn immer einmal hatte ich im Laufe der Jahre die Abfassung einer Patientenverfügung angesprochen. Auch der Rechtsanwalt, der die Schadensersatzansprüche ihres ersten Unfalls (siehe Kapitel Nr. 8 >Überlastung<) bearbeitete, wies auf die Sinnhaftigkeit einer solchen Patientenverfügung hin. Meine Mutter lehnte dies alles ab. Sie wollte sich dem Schicksal überlassen.

 

Dass dies mich eventuell in totale Schwierigkeiten bringen könnte, falls mir ein Amtspfleger vorgesetzt werden würde, interessierte sie alles nicht. Bzw. fiel es mir im Nov.2011 wie Schuppen von den Augen, dass sie es regelrecht darauf anlegte, dass ich in einem ungeklärten Falle eben alle Schwierigkeiten auszubaden hätte und eventuell mein Erbe total gemindert worden wäre. Dies wäre noch ihre Rache an mir über ihren Tod hinaus gewesen. Dieses Ausmaß an Gemeinheit entsetzte mich gerade noch in diesem aktuellen Zeitpunkt vom Nov.2011; denn tatsächlich war meine Mutter nicht dumm, sondern gemein.

 

(Am 04.05.2008 hatte ich nachträglich übrigens Gedanken, dass meine Mutter doch geahnt haben könnte, dass ich Angst vor Enterbung durch sie hatte. Dadurch fühlte sie sich in einer Machtposition, die sie mir gegenüber ausgenutzt und mich gequält hat. Diese Gedanken kamen mir entgegen anderen Hypothesen, dass sie selbst bei Armut sich immer so verhalten hätte – obwohl ich auch glaube, dass dies ebenso richtig ist. Ihr Vermögen hat sie nur zusätzlich noch in ihrer Macht gestärkt.)

 

Die Angelegenheit mit der anstehenden Pflegschaft thematisierte ich nun am 14.Jan.2008 auch den geistigen Instanzen gegenüber und bat inständig weiter um Befreiung von meiner Mutter, obwohl mich das ganze Geschehen vom humanen Standpunkt durchaus entsprechend berührte, sie dort im Koma liegen zu sehen. Trotzdem ging ich von meinem Wunsch nach Befreiung nicht ab. Ich griff dann sogar noch zusätzlich zu einem Aspekt, der im Prinzip vom spirituellen Standpunkt aus fragwürdig ist.

 

Ich gab nämlich Gott gegenüber das Versprechen, dass ich eine reguläre, ordnungsgemäße Beisetzung unter Teilnahme aller Verwandten und Bekannten vornehmen lassen würde, wenn man mich JETZT von meiner Mutter erlösen würde. Denn ursprünglich wollte ich als eine gewisse Konsequenz all der Lieblosigkeiten meiner Mutter sie anonym über einen Billigbestatter auf einem Friedhof außerhalb Berlins ohne alle Verwandten und Bekannten beisetzen lassen, womit ich ihr sozusagen ihre Ehre abgeschnitten hätte.

 

Fast zwei Jahre nach dem Tod meiner Mutter hat meine eine Cousine in einem netten Telefonat, was ich mit ihr am zweiten Weihnachtsfeiertag (dem 26.12.2009) führte, tatsächlich genau diese Vermutung bzw. Befürchtung mir gegenüber erzählt: Man hätte in der Verwandtschaft damit gerechnet, dass ich keine Bestattung unter Teilnahme meiner Verwandten anberaumen würde. Ich war über diese Erzählung sehr perplex. Tatsächlich waren meine Verwandten dann jedoch froh gewesen, dass ich alles regulär habe durchführen lassen.

 

Hintergrund war, dass eben meine Mutter doch insgeheim schlecht über mich vor den Verwandten gesprochen hatte, was ich niemals in Betracht bezogen hatte und unfassbar finde. Es ist ja ein totaler Unterschied, ob ich z.B. schlecht über meine Mutter gegenüber meinen Freundinnen gesprochen habe, die ja niemals in Kontakt mit meiner Mutter gekommen sind, oder ob dies meine Mutter über mich getan hat, wo ich zu gleicher Zeit Kontakt zu meinen Verwandten hatte, allerdings reduzierter als meine Mutter.

 

Selbstverständlich hatte ich meinen Verwandten gegenüber unser schlechtes Verhältnis geheim gehalten bzw. habe niemals schlecht über meine Mutter gesprochen. Selbst nach ihrem Tode habe ich gegenüber meinen Verwandten niemals über sie schlecht gesprochen, obwohl es mir - ehrlich gesagt - schwer fällt, diese ethische Maxime einzuhalten.

Dass ich in dieser Autobiographie alles offen darlege, ist aus verschiedenen Gründen für mich unvermeidbar und niemand kennt ja meine Mutter oder mich persönlich in der Realität, da ich hier nur unter dem Pseudonym in Erscheinung trete.

 

Am 15. Januar 2008 war ich dann noch zu Besuch auf der Intensivstation, wo meine Mutter zwar noch einmal die Augen geöffnet hatte, ihre Seele weilte jedoch m.E. schon nicht mehr im Körper. Ihr Blick war leer und sie erkannte mich nicht mehr.

Am Abend des 16. Januar 2008 und der anschließenden Nacht war ich zeitweise in einem untröstlichen Zustand und habe bitterlich weinen müssen. Ich wusste gar nicht genau, warum. Aber es spielte wohl eine Rolle, dass mir da schon so viel verlorenes Gutes in den Sinn kam, all die zerstörten, verlorenen schönen Möglichkeiten, die meine Mutter und ich hätten haben können.

 

Alles, was meine Mutter bei mir mit Füßen getreten hatte. All meine ursprüngliche Kindes- und später allgemeine Menschenliebe (auch wenn ich meine Mutter als spezifische Persönlichkeit nicht mehr geliebt habe). Ich hatte notiert: „Meine Mutter und ich hätten alles so schön haben können – sie hat aber alles zerstört. Und nun kann nichts mehr (von ihr) wieder gutgemacht werden. Alles ist verloren!“ Dies müssen schon Vorboten gewesen sein, von dem, was ich dann am nächsten Tag erfahren habe.

 

Am 17. Januar 2008 teilte man mir um ca. 17:00 Uhr durch ein Telefonat mit, dass meine Mutter kurz vorher verstorben war.

 

Zu dem Todeszeitpunkt gibt es bei RIEHLE eine geistige Aussage. Im Kapitel >Tyrannei< ist bereits erwähnt, dass jeder nur so viel der Dunkelheit ausgesetzt wird, wie er die Kraft hat, sich immer wieder mit dem Einsatz seines eigenen Ichs über das Dunkel zu erheben. Findet er eines Tages nicht mehr die Kraft dazu (was dem entspricht, dass er sein Ich nicht mehr hinreichend verleugnen kann), „dann hört sein (geistiges) Wachstum auf, und dann ruft ihn der Vater ab“[2]. Ich selbst meine mit diesem Zitat, dass meine Mutter ihr Ich schon lange nicht mehr hat verleugnen können.

 

Und direkt am Abend des Todestages überfiel mich dann – trotz des Wunsches nach Befreiung von meiner Mutter - mehrmals schreckliche Trauer: Ich hatte vorher in meinem Leben nichts annähernd Vergleichbares erlebt gehabt - weder beim Tode meiner von mir doch sehr geliebten Schwester noch beim Verlust meines Vaters. Allerdings habe ich in Bezug auf den Tod meines ehemaligen Lebensgefährten innerhalb eines Traumes einen noch größeren (allerdings nur kurzfristigen) Schmerz erlebt, der zudem „nur“ im Traum stattfand, was im Kapitel Nr. 37 >Eifersucht< geschildert ist.

 

In Bezug auf das Ableben meiner Mutter trat mir nun vollkommen zu Bewusstsein, dass dieser Mensch, der mich so lange gequält hatte, doch eine lebendige Wesenheit gewesen war, die für mich zwangsläufig und unfreiwillig einen entscheidenden Bezugspunkt in den letzten 20 Jahren dargestellt hatte, weil ich gezwungen war, mich um sie zu kümmern. Sie hatte gerade durch ihre Bösartigkeit eine unglaublich mächtige Präsenz erlangt gehabt und meine Beachtung erzwungen.

 

Alle meine Bemühungen erhoben sich nun rein mental und gemütsmäßig (astral) als Substanz gegen mich, die jetzt in einen leeren Raum liefen: Die Fernsehzeitung, die ich jede Woche für sie kaufte, fiel nun auf dem Einkaufszettel weg. Zahllose solche Trivialitäten erhoben sich auf diese Weise gegen mich als Verlust, wie dies vielleicht vielen Menschen beim Tode eines nahestehenden Menschen so geht.

 

Ich führe dies spezifisch an, weil ich im Grunde jahrzehntelang mich nach Befreiung von meiner Mutter gesehnt habe, was wiederum bei vielen Menschen nicht der Fall sein wird. Mir war auch klar, dass die ganzen Koppelungen und Konditionierungen[3] im Laufe der Zeit nachlassen würden, aber sie waren zunächst genau so schrecklich wie Liebeskummer, wo man den (einst) geliebten Partner vermisst.

 

An den nächsten zwei Tagen sprach ich telefonisch (unter anderem) mit zwei Frauen, die circa fünf Jahre jünger als ich waren und zu denen meine Mutter einen gewissen Kontakt gepflegt hatte, und sich vermutlich in diesen beiden „Neben“-Töchter zu mir gesucht hatte, mit denen sie sich pseudohalber besser verstand als mit mir. Bei diesen beiden handelte es sich einmal um eine Cousine von mir und zum anderen um die Tochter einer Kindheitsfreundin von ihr (deren Mutter war schon verstorben).

 

Hätte ich mir umgekehrt solche Ersatzmütter gesucht, hätte ich ständig die Gehässigkeit meiner Mutter zu spüren bekommen. Jedoch hatte ich niemals einen Bedarf nach solch einer Ersatzmutter, weil mir alles, was nur an die Substanz von „Mutter“[4] erinnerte, mir ein Grauen einflößte. Überall war meine Mutter auf eine oberflächliche Weise beliebt. Von den zwei Frauen erfuhr ich, wie meine Mutter mich grundsätzlich in verschiedenen Aspekten verleumdet hatte, was diese allerdings nicht wussten, da ich zu beiden keinen Kontakt hatte.

 

Die Tochter der Kindheitsfreundin hatte zu ihrer eigenen Mutter ein sehr gutes, liebevolles Verhältnis gehabt und beide hatten täglich miteinander telefoniert (was vielleicht auch etwas ungewöhnlich ist). Diese Tochter hatte meine Mutter einstmals gefragt gehabt, warum sie nicht mit mir öfter telefonieren würde und meine Mutter sagte, dass ich dies nicht gewollt hätte.

 

Dies war nun eine eklatante Lüge! So wie eben meine Mutter vor keiner Lüge zurückscheute, um sich selbst aufrechtzuerhalten oder sich in ein besseres Licht zu setzen. Ich hatte meiner Mutter x-mal angeboten, jederzeit zu telefonieren und sie gegebenenfalls jeden zweiten Tag zu besuchen, u.z. war dieses Angebot von mir bereits lange vor dem Jun.2007 gewesen, also bevor sie den ersten Unfall hatte (siehe Kapitel Nr. 8 >Überlastung<). (Nach dem Unfall habe mich ja zeitweise sowieso täglich um sie kümmern müssen.) Alle diese Angebote (vor dem Unfall) hat sie von sich aus abgelehnt: Es sei nicht notwendig.

 

Mir wurden noch andere Verleumdungen zugetragen. Der Tochter der Kindheitsfreundin gegenüber korrigierte ich verschiedene Dinge und konnte ihr durch bestimmte Aussagen quasi nachweisen, wie dies alles Lügen meiner Mutter waren. Ich konnte auf meinen Vater und ihre eigene Mutter rekurrieren, von denen sie dann wahrheitsgemäße Informationen schlussfolgern konnte. Sie nahm diese Informationen verständnisvoll auf und ich merkte, dass sie mir glaubte und wie sich ihr Weltbild um 180 Grad (oder sagt man 360 Grad?) wandelte. Dies war im Prinzip der einzige Fall, wo ich wegen Klarstellungen gewisse Aussagen über meine Mutter machte, die aber nicht gemein von mir waren.

 

Jedenfalls geschah es durch die Telefonate, dass meine Trauer seitdem doch reduzierter war und ich noch stärker dankbar war, dass dieser Alptraum in meinem Leben ein Ende gefunden hatte, auch wenn es noch Nachwehen gegeben hat, um die verpestete und teilweise angeschimmelte Wohnung meiner Mutter loszuwerden, was mich real einige tausend Euro gekostet hat (siehe Kapitel Nr. 8 >Überlastung<).

 

Im Grunde genommen hatte ich die Befreiung von meiner Mutter den Ärzten zu verdanken, welche diese völlig falsch operiert haben und sie dadurch dem Tode geweiht hatten. Vermutlich war dies jedoch mit einer Zulassung Gottes geschehen. Auf die dann offiziell stattfindende Beisetzung habe ich mich natürlich nicht gefreut – aber ich hatte sie Gott gegenüber versprochen gehabt und habe dieses Versprechen eingehalten – so, wie man meine Bitten von geistiger Seite erhört hat.

 

Die Beisetzung hatte dann im Januar 2008 mittlerweile stattgefunden und ich war (glücklicherweise) nicht im mindesten gerührt und musste keinerlei Tränen vergießen. Ich gestehe, dass dies vorher meine große narzisstische Sorge gewesen war, da ich es ablehne, vor anderen Menschen meine Betroffenheit zu zeigen. Tagelang vorher hatte ich um Stärkung gebeten; denn für mich allein weine ich bei den geringsten Dingen.

 

Alle Anwesenden waren vermutlich über meine vollkommen mangelnde Rührung stark befremdet; denn diese waren alle zehnmal mehr davon betroffen als ich. Auch die Kirchenmusik konnte mir nichts „anhaben“, wo ich normalerweise schon im Fernsehen bei jeglichem Orgelton weinen muss. Meine mangelnde Rührung war für mich selbst ein Phänomen und die Kraft dazu war ganz sicher nicht meinem kleinmenschlichen Ich entsprungen.

 

Man könnte sagen, meine Mutter hätte sowieso sterben müssen. Dem muss ich widersprechen, denn unter normalen Umständen hätte sie den Hüftbruch verarbeitet und sich wieder regeneriert; denn sie war tatsächlich außergewöhnlich zäh – durchaus so, wie sie sich selbst charakterisiert hat, dass sie nicht so schwächlich wie viele Menschen sei. Sie wäre normalerweise ein Mensch gewesen, der hundert und mehr Jahre hätte erreichen können.

 

Meines Erachtens ist nur durch eine Sonderentscheidung von geistiger Instanz ihr Tod vorgezogen worden. Beziehungsweise muss ich diese Aussage dahingehend korrigieren, dass ich auch in Betracht ziehe, dass bereits ihr erster Unfall im Jun.2007 (siehe Kapitel Nr. 8 >Überlastung) eigentlich zu ihrem Tode hätte führen sollen; denn schon da hatte ich monatelang um Befreiung von ihr gebetet gehabt.

 

Ob nun ihre eigene Zähigkeit, ob der Schutz durch die widergöttliche Wesenheit Ahriman oder andere Faktoren sie damals (im Jun.2007) haben ungeschoren davonkommen lassen, entzieht sich leider meiner Erkenntnis. Eventuell ist ihr auch noch einmal eine Chance gegeben worden, sich mir gegenüber zu ändern, wo ich alles zu ihrer Hilfe getan hatte. Ein einziges Mal in ihrem Leben muss sie auch einen kurzen geistigen Lichtblick gehabt haben.

 

Dies war, als sie im Juni 2007 im Krankenhaus war und noch den Nachwirkungen der Gehirnerschütterung ausgesetzt war. Dort sagte sie einmal mehrmals hintereinander – für mich sehr unvermittelt und fast unbegreiflich (weil dies sonst niemals ihr Duktus[5] war): „Mein liebes Kind“, „Mein liebes Kind“, „Mein liebes Kind“ zu mir bzw. eigentlich mehr über mich. Wann immer ich an diese Stelle bei den wiederholten Überarbeitungen stieß, trieb es mir wieder die Tränen in die Augen.

 

Tatsächlich war ich in Wahrheit ihr gegenüber „ein liebes Kind“ gewesen. Ich war in einem höchsten Maße ihr gegenüber ein liebes Kind, bis an die Grenzen der Selbstverleugnung – und sie hat mich zu 99 % mit Füßen getreten, weil ich mir nicht alles von ihr habe gefallen lassen. Und nachdem sie (im Juni/Jul.2007) aus dem Krankenhaus gekommen war, war sie zeitweise schlimmer denn je zu mir. Damit hatte sie gegenüber der göttlichen Vorsehung vermutlich ihre letzte Chance verspielt und ich danke nur der göttlichen Gerechtigkeit, die doch endlich eingegriffen hat.

 

Das Ausmaß der Beliebtheit meiner Mutter bei anderen Menschen war für mich immer ein gewisses Rätsel. Jetzt ist mir bewusst geworden, dass sie auf dem betreffenden Niveau und der oberflächlichen Konversation[6] für fast all ihre Bekannten und Verwandten eine Person war, die eben auf diese Menschen hinreichend eingehen konnte, nämlich sogar mehr, als diese es sonst von anderen Menschen ihres Niveaus kannten. Meine Mutter war all ihren Gesprächspartnern wahrscheinlich sogar im positiven Sinne überlegen, u.z. durch die zwangsläufige „Schulung“ (der Auseinandersetzungen), die sie durch mich in den letzten 20 Jahren erlebt hatte. Dies konnte sie vermutlich vollkommen konstruktiv einsetzen.

 

Außerdem gab es zu all den Menschen keine Interessenkonflikte, da sie alle in Wahrheit gar nichts miteinander zu tun hatten, sondern lediglich „Sekundär“-Gespräche führten, wo man sich gegenseitig etwas erzählt. Des weiteren war sie der Mensch, der sich vor fremden Menschen im Streitfall eher duckte[7] – ganz anders als den nahen Menschen gegenüber, die sie zu beherrschen versuchte. Ich habe dieses Phänomen auch schon bei anderen Menschen beobachtet.

 

So war ich einmal (heimlicher) Zeuge des Gesprächsverhaltens zwischen meiner Mutter und einer Nachbarin. Ich hielt mich dabei im Schlafzimmer meiner Mutter auf (während ich bei ihr zu Besuch war), während eine Nachbarin sie kurzfristig kontaktierte. Im Wohnzimmer fand dann die Kommunikation statt, die darin bestand, dass beide Frauen ca. 15 Minuten lang vollkommen gleichzeitig (parallel zueinander) sprachen: Keine hörte der anderen zu, keine ging auf die andere ein. Dies lag schon 2007 ungefähr 15 Jahre zurück und ich werde dieses Erlebnis nie vergessen. Das ist das Niveau meiner Mutter gewesen und offensichtlich dasjenige von so manchen anderen Menschen.

 

Von der >Prophetin Gabriele< (Kap. 47) gibt es eine entsprechende Stellungnahme zu diesem Gesprächsverhalten. Sie legt dar, dass unzulängliche Gespräche sich daraus ergeben, wie jeder lediglich sein Ich darstellen will. Diese Gespräche sind unfruchtbar. „Oftmals sprechen beide aneinander vorbei und glauben doch, sie hätten einander alles gesagt. … Wer sein Ich darstellen möchte, spricht über den Schein und nicht das, was tatsächlich zugrunde liegt und hätte angesprochen werden sollen“[8].

 

Nur eine einzige Frau aus dem Nachbarhaus hatte meine Mutter erkannt. Dies offenbarte sich mir in einem zufälligen Gesprächskontakt auf der Straße, als ich am 12.Aug.2007 die Wohnung meiner Mutter verlassen hatte. Es ergab sich durch den anspinnenden Dialog, dass diese Frau äußerte, wie sie die Herrschsucht meiner Mutter einmal erlebt hatte, wo meine Mutter verlangte, dass der Mann dieser Frau sofort(!) bei einer Sache helfen sollte, dieser aber erst später dafür Zeit hatte. Außer dieser Frau, meiner Schwester, meinem Vater und meiner Großmutter (wobei diese letzten drei alle schon verstorben sind), hat niemand erkannt, wie meine Mutter in Wahrheit ist. Diese Frau ist die einzige noch lebende Zeugin für mich.

 

Fortsetzung folgt in Teil P zum Kapitel Nr. 13 >Aurisches Wesen<

 



[1] Ego-Sterben: siehe FN zu „Ego-Tod“ bei 49-B >Grausamkeiten<.

[2] RIEHLE/S.28

[3] Konditionierung: FN bei 53-D >Hoffnung<.

[4] Mutter: Ausnahme ist allerdings die >Avatarin< Mutter Meera (Kap. 29), wobei mich dieser Name „Mutter Meera“ durchaus nicht anspricht, sondern ich sie vornehmlich als Inkarnation einer göttlichen Wesenheit, als reines Allbewusstsein sehe, welches von ihr selbst als Schwerpunkt angegeben wird (Anm.d.Verf.).

[5] Duktus: charakteristische Art (D/F/S.193).

[6] Konversation: (geselliges) Gespräch, Plauderei (Meyers Taschenlexikon/S.374).

[7] ducken: sich fügen (HERMANN/Rechtschreibung/S.325)

[8] (Prophetin) GABRIELE/Der Innere Weg/S.833