Sternenschnee

Kim Carrey:

Sternenschnee (96)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Herausziehen des Ätherleibes

(16.B) Hüter der Schwelle

Begegnung mit der Doppelgängerin

 

 

Der Astralkörper ist aus dem Stoff der Astralwelt gebildet und dient der menschlichen Seele als Werkzeug für das Selbstwahrnehmen von Gefühlen und Wünschen. Er ist der Träger der menschlichen Begierden, Triebe und Leidenschaften und bedarf deshalb der Läuterung[1], um unsterblich werden zu können. Das äußere Werkzeug des Astralkörpers ist das Nervensystem.

 

Der Astralkörper erstreckt sich während des Wachzustandes zwischen 30 und 40 cm über den dichten physischen Körper hinaus und kann von dem heutigen Bewusstsein des gewöhnlichen Menschen nicht gesehen werden[2]. Während nun sowohl der Ätherleib als auch der Astralkörper sich im Jenseits (im Nachtodlichen Leben) bis auf einen Extrakt auflösen, bleibt im Innersten das menschliche Ich unverändert bestehen[3].

 

Die Zusammengehörigkeit dieser vier Wesensglieder charakterisiert den Menschen in seinem Wachzustand. Entscheidend ist hier bereits, dass der Schlafzustand für den Menschen nur dadurch zustande kommt, dass sich das Ich und der Astralkörper während des Schlafes aus dem Zusammenhang von physischem und Äther-Körper herausziehen und in der geistigen Welt weilen.

 

Erst im Augenblick des Todes zieht sich auch der Ätherkörper aus dem physischen Körper heraus, welcher dann als Leichnam den Elementen überlassen bleibt. Bei einer geistigen Entwicklung durch >Meditation< (Kap. Nr. 40), Konzentration und ähnlichen Übungen, bei einer besonderen geistigen Lebenshaltung oder bei einer „Einweihung durch das Leben“ geschieht es jedoch ab einem bestimmten Stadium, dass sich der Ätherleib auch während des Wachzustandes aus dem physischen Körper herausziehen kann, wodurch dann die Grundlagen für Hellsichtigkeit geschaffen werden[4].

 

Der Aspirant muss also so leben, dass er sich bereits während des Wachzustandes in einen solchen Zustand versetzt, der dem Moment des physischen Sterbens entspricht. „Einzig und allein dadurch kann er sich in einen solchen Zustand versetzen, dass er gewisse Empfindungen und Empfindungsnuancen ausbildet, welche die Seele so ergreifen, dass in einer gewissen Beziehung diese Empfindungen … durch ihre Kraft den ätherischen Leib packen und ihn herausheben aus dem physischen Leibe“.

 

„Es müssen also so starke Empfindungsimpulse, Gedankenimpulse und Willensimpulse in der Seele wirken, dass eine innerliche Kraft da ist, welche den Ätherleib frei macht vom physischen Leibe für gewisse Augenblicke“[5]. Dabei darf es sich jedoch nicht um äußere physische Maßnahmen handeln, sondern lediglich um innere Vorgänge, um Vorgänge des starken, des energischen Seelenlebens. „Das Wesentliche zur Herbeiführung eines solchen Zustandes besteht darin, das der Mensch eine Umwandlung, gleichsam Umstülpung seiner Interessensphäre erlebt“[6].

 

Der Mensch muss Momente herbeiführen, in denen ihm die äußere Sinneswelt absolut gleichgültig wird; alle Interessenkräfte, die ihn an die sinnliche Welt fesseln, muss er abtöten. Er darf dieses Abtöten jedoch nicht auf das ganze Leben ausdehnen, sondern muss es sich für gewisse Feiertagsaugenblicke aufbewahren.

 

Durch dieses Abtöten wird zuletzt eine starke energische Kraft im Inneren des Aspiranten frei. „Was wir auf solche Art in der Außenwelt ertöten, lebt im höheren Maße in der Innenwelt auf“[7]. Dadurch wird der Aspirant nach und nach Herr und Herrscher über seinen Ätherleib und es können die geistigen Erlebnisse, die dem Astralleib durch >Meditation< usw. eingeprägt worden sind, auf den Ätherleib übertragen werden.

 

Und der Aspirant steigt auf von der Vorbereitung zur >Erleuchtung< (siehe Kapitel Nr. 2), wo sich ihm die geistige Welt offenbart und es um ihn hell wird. Der Chela[8] kann nach STEINER[9] seinen Ätherkörper bewusst aus seinem schlafenden physischen Körper mit herausnehmen und in den schlafenden physischen Körper hellsichtig schauen. Es entspricht dies dem Bewusstseinszustand der Saturn-Entwicklung[10].

 

Das erste Erlebnis, welches mit der >Erleuchtung< verbunden sein soll, ist die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle[11], welche für den Menschen (nach Aussagen von STEINER) grundsätzlich schrecklich sein soll, wenn ihm nicht durch Vorbereitungen die Kraft dazu erwachsen ist, diese Begegnung zu ertragen[12].

 

Demgegenüber betont jedoch WEINFURTER ausdrücklich, dass der Hüter der Schwelle in keiner Weise gefährlich sei, sondern lediglich auf der Schwelle der Unterwelt stehen würde[13]. Es gäbe nicht die geringste Ursache, den Hüter der Schwelle zu fürchten, selbst wenn dieser Hüter sich als der gemäß der Mythologie bekannte Höllenhund Cerberus mit mehreren Köpfen und dem Bellen vieler wütender Hunde zeigen sollte. Das Erscheinen des Hüters der Schwelle soll nur einen Beweis darstellen, dass der Aspirant in die Unterwelt eingetreten ist, die die Seele des Mystikers durchwandern muss, um dann wieder zur Erde zurückzukehren[14].

Ich glaube jedoch, dass die Anschauung von WEINFURTER eine Bagatellisierung darstellt und messe der Aussage von STEINER einen wesentlich höheren Realitätsgehalt zu, was bedeutet, dass eben die Begegnung in Wahrheit schrecklich sein wird.

 

Tatsächlich hatte ich selbst einmal ein Erlebnis im Traum, welches vielleicht einen ähnlichen Sachverhalt darstellen sollte. Ich habe es am 15.Aug.1993 nachträglich protokolliert. Das Traumerlebnis selbst war jedoch viele Jahre vor 1993. Ich war im Traum Zeuge und beobachtete als solcher, wie ein Schäferhund in einer großen Steinhöhle ein >Baby< (es war eventuell „mein“ >Baby<; siehe dortiges Kapitel Nr. 32-B) im Maul trug und es in die Höhle verschleppte. Als der Hund immer tiefer in die Höhle hineinlief, war er plötzlich in Luft aufgelöst, sozusagen dematerialisiert, obwohl ich den weiteren Weg noch hätte sehen können. Er war somit in die geistige Welt bzw. in die Unterwelt hinübergegangen.

 

Von STEINER wird hier etwas unspezifisch gesagt, dass das Ereignis des Hüters der Schwelle mit der >Erleuchtung< verbunden ist. Dies heißt nicht, dass sie gleichzeitig auftreten. Es scheint eher so, dass ein bestimmtes Erlebnis, welches den Hüter ankündigt oder andeutet, noch vor der >Erleuchtung< auftritt, u.z. durch die neue Organisation des Astralleibes. Es ist dies das Erleben, dass der Aspirant meint, er würde sich selbst sehen, als ob er sich gleichsam wie seinen eigenen Doppelgänger vor sich hätte. Dies ist das Erlebnis, das man die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle nennt[15].

 

Dies ist mir persönlich (u.z. tatsächlich in mehreren Jahren vor der >Erleuchtung< 2006; siehe Kap. Nr. 2) einzelne Male im Traum geschehen. Die Perspektive auf mich selbst war immer unterschiedlich, mal sah ich mein Gesicht von der Seite, mal frontal oder als ganze Person und in verschiedenen Zusammenhängen. Das Aussahen war immer minimal verändert, aber doch außerordentlich ähnlich mir selbst aus der irdischen Realität, so dass keinerlei Zweifel bestand, dass ich dies selbst war oder sein sollte. Diese Begegnungen waren allerdings keinesfalls erschreckend, sondern manchmal sogar erfreulich, da ich im Traum jedenfalls nicht hässlicher aussah als sonst real.

 

An dieser Stelle muss ich noch eine Begebenheit erwähnen, die nun nicht im Traum geschehen ist, sondern in der irdischen Realität. Ungefähr um 1988 herum (also einige Jahre vor meinem Schülertum in der >Spirituellen Gemeinschaft<, Kap. Nr. 27) hatte ich mich einer kleinen Gemeinschaft angegliedert, wo es neben esoterischen Inhalten auch um Freizeitgestaltung ging. Es gab dort ein Café, in dem ich mich ehrenamtlich etwas betätigte.

 

Eines Tages fand dort eine Adventsfeier statt, wo zusätzlich verschiedene externe Besucher kamen. Und da geschah es, dass einer der Teilnehmer eine Bekannte mitbrachte, die fast genauso aussah wie ich, u.z. von der realen Physiognomie des Gesichtes her!

Bei mir löste dies akut ein Entsetzen aus. Ich konnte es zunächst kaum fassen, dass mir plötzlich eine Frau gegenüberstand, die wirklich zu 95 % aussah wie ich selbst. Es gab nur drei Unterschiede: Sie hatte eine andere Haarfarbe und eine andere Augenfarbe als ich, und sie war von der Statur etwas größer. Ansonsten war jedes Detail – selbst jede kleine disharmonische Linie der Gesichtsstruktur bei uns beiden vollkommen gleich.

 

Dies nahm nicht nur ich selbst so wahr, sondern es bestätigten auch andere Menschen, mit denen wir ins Gespräch kamen. Die Frau hatte allerdings eine andere Wesensart als ich, was mich irgendwie beruhigte. Dies wäre der vierte Unterschied.

Mein Erschrecken hatte nun nichts mit dem Schrecklichen zu tun, was STEINER von dem Hüter der Schwelle berichtet, sondern bezog sich auf das Erleben der reduzierten Einmaligkeit meiner Person. Es war sozusagen eine Art narzisstischer[16] Kränkung, die ich durch meine „Doppelgängerin“ erlebte.

 

Als diese dann noch Interesse bekundete, ein gemeinsames Treffen mit meinem Lebensgefährten, der meine „große Liebe“ war, und ihrem eigenen Bekannten (mit dem sie allerdings nicht liiert, sondern Single war!) zu viert stattfinden zu lassen, war es ganz um meine innerseelische Verfassung geschehen, was ich natürlich äußerlich nicht offenbarte. Da ich sowieso immer eifersüchtig war (siehe Kapitel Nr. 37 >Eifersucht<), hätte mir das gerade noch gefehlt: Den Mann, der meine große Liebe war, mit dieser Frau zusammenzuführen!

 

Noch nachträglich weiß ich nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Natürlich habe ich solch ein Treffen vollkommen abgeblockt, was zwar alles keine esoterische, sondern eine vollkommen dialektische[17] Handlungsweise ist, an der ich jedoch selbst keinerlei Zweifel hatte (und bis heute nicht habe).

 

Generell muss man annehmen, dass diese Begegnung mit einer Doppelgängerin – neben aller Trivialität – doch auch eine geheime geistige Bedeutung hatte. Auf der Welt soll es für jeden Menschen übrigens sieben Doppelgänger geben[18]. Am 08.02.2016 soll es eine RTL-extra-Sendung gegeben haben, wo das Thema des Doppelgängers ebenfalls thematisiert wurde, die ich aber nicht gesehen habe.

 

Ich selbst hatte übrigens jahrzehntelang eine Freundin, die mir im Laufe der Jahre mit Enthusiasmus bestimmt dreimal erzählt hat, dass in ihrem Supermarkt eine Kassiererin säße, die hätte sehr große Ähnlichkeit mit mir, worüber ich natürlich total begeistert war. Solche Momente sind wohl der Grund für die Aussage: „Wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde mehr“.

 

Allerdings würden meine Traumerlebnisse mit meiner eigenen Person so überhaupt nicht dem entsprechen, was STEINER über diese Selbst-Begegnung aussagt. Nach STEINER handelt es sich bei der Erscheinung, die dem Aspiranten als er selbst gegenübersteht, keinesfalls um ein Wesen von einer höheren, edleren, reineren Form als diejenige, die der Mensch im physischen Körper hat, sondern es erscheint ein Wesen mit all den Unvollkommenheiten, die er sich auf sein Karma geladen hat. Das alles bleibt unsichtbar, solange physischer, ätherischer und astralischer Leib verbunden sind.

 

„Es wird sichtbar in dem Augenblick, wo wir mit den höheren Gliedern unserer Wesenheit heraustreten aus dem physischen Leibe. Da stehen … vor unserem Auge all die Neigungen und Leidenschaften, die wir noch haben aus dem, was wir im früheren Erdenleben gewesen sind. … Wir treten uns selber gleichsam nackt entgegen; … d.h. wir stehen uns so vor dem geistigen Auge, dass wir jetzt wissen, um wie viel wir schlechter sind, als das sein würde, wenn wir jene Vollkommenheit erreicht hätten, welche die Götter hatten, damit sie schaffen konnten den Wunderbau unseres physischen Leibes“[19].

 

Fortsetzung folgt in Teil C zum Kapitel Nr. 16 >Herausziehen des Ätherleibes<.

 



[4] „Einweihung und Hellsichtigkeit“ ist übrigens der Titel eines der Essays, die ich verfasst habe unter meinem zweiten (männlichen) Pseudonym GARY DAVIDOFF bei dem Online-Verlag https://www.xinxii.com. Ich weise hier in dieser Autobiographie wiederholt aus existentiellen Gründen auf diese geisteswissenschaftlichen Veröffentlichungen hin (insgesamt sind es 25 Exposés über verschiedene esoterische Themen). Sie sind bei XinXii abrufbar unter der Kategorie „Esoterik“ ==> „Metaphysik“.

[11] Hüter der Schwelle: Zu unterscheiden sind a) der kleine und b) der große Hüter der Schwelle.

a) Der kleine Hüter erscheint der intuitiven Erkenntnis im Bilde eines Doppelgängers (im Text des Kapitels Nr. 12-C >Schwarzer Magier< ist eine Abgrenzung zwischen dem Doppelgänger und dem kleinen Hüter der Schwelle dargelegt), welches dem Menschen an der geistigen Welt die noch bestehenden Unvollkommenheiten und die noch wirksamen Gegenkräfte aufzeigt. Erst nach Überwindung des Unzureichenden kann die Schwelle überschritten werden (SCHILLER/Der anthroposophische Schulungsweg/S.143).

b) Der große Hüter erscheint dem Menschen erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Einweihung, wenn der Mensch bereits sein Heimatrecht in der überirdischen Welt erworben hat (also bereits eine befreite Seele ist)  und nicht mehr in die physische Welt zurückkehren müsste. Hier tritt ihm der Christus (siehe Kapitel Nr. 44 >Jesus, der Christus Gottes) als der große Hüter der Schwelle entgegen, der ihn auffordert, nach seiner eigenen Erlösung an der Erlösung aller anderen Wesen mitzuwirken. Der Christus steht hier an der Pforte zu den höchsten Gebieten der übersinnlichen Welt als der Cherub mit dem feurigen Schwert vor dem Paradies. Erst wenn der Eingeweihte dieser Aufforderung folgt, dient er dem weißen Pfad. Begnügt er sich mit der eigenen Erlösung, dann hat er damit automatisch den schwarzen Pfad gewählt (STEINER/TB600/S.151). –

Vom TIBETER gibt es noch die Aussage (ohne Differenzierung zwischen kleinem und großem Hüter der Schwelle), dass die Begegnung stattfindet, wenn die Antahkarana erbaut ist. Weiteres über diese siehe Text bei 24-C >Ashram< und im Kapitel 39-C >Auftreten von Blitzen<. - Siehe auch weitere Darlegungen im Text des hiesigen Kapitels.