Sternenschnee

Kim Carrey:

Sternenschnee (97)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Herausziehen des Ätherleibes

(16.C) Ego-Tod

Die soziale Welt als Mysterienstätte

 

 

Weshalb meine Träume zu diesen Darlegungen von STEINER doch sehr diskrepant sind, kann ich mir nicht erklären; denn einmal ist gewiss, dass ich mir selbst mehrmals begegnet bin, dass ich aber andererseits auch nicht vollkommen bin, jedoch an den Traumerscheinungen nichts Erschreckendes war. Der Weg ins eigene Unbewusste wird von dem kleinen Hüter der Schwelle nur freigegeben, wenn der Mensch bereit ist, alle Kräfte anzuspannen, um seine Triebe und Begierden zu beherrschen und sich nur noch auf positive Ziele zu konzentrieren. Jeder Fehler, jede Schlaffheit in der strengen Selbstzucht rufen eine dämonische Verformung dieser Gestalt hervor. Es handelt sich dabei um eine reale Geistgestalt[1].

 

Der „Kleine Hüter“ steht also an der Schwelle der geistigen Welt und er verkörpert alles das, was der Mensch noch nicht mit seinem Ich durchleuchtet und umgewandelt hat. So kann der Mensch dem Hüter im täglichen Leben begegnen in der Form von allerlei Doppelgängeraspekten, welche die negativen und noch nicht durchgearbeiteten Seiten des Menschen darstellen[2].

 

„Das tägliche Leben stellt uns fortwährend in Ereignisse hinein, in denen geistige Erfahrungen entstehen können, die uns über die Schwelle der geistigen Welt führen. Das können Drogengebrauch, Krisensituationen, seelische Erschütterungen, Konfrontation mit Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Tod, aber auch schöpferische Momente und religiöse Erfahrungen sein“[3].

 

So wird die soziale Welt zum Schauplatz von geistigen Erfahrungen, welche früher nur auf einem Einweihungsweg stattfanden. Heute jedoch vollziehen sie sich im täglichen Leben. Im Alltag muss der Mensch heutzutage fortwährend die Proben durchmachen, die früher ein Teil der Einweihung bildeten und viele Menschen werden auf diese Weise durch das Leben selbst eingeweiht.

 

SALMAN hat dem Thema, dass heutzutage das tägliche Leben als Mysteriendrama zu verstehen ist, ein ganzes Buch gewidmet, so wie dies auch bereits die Aussage von Joseph Beuys[4] 1984 gewesen sein soll: „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt, nicht im Goetheanum“[5], wobei das Goetheanum der zentrale Ort der Anthroposophischen Gesellschaft[6] in der Schweiz ist.

 

Dass Joseph Beuys hier von mir erwähnt wird, soll keine Sympathie zu seiner Kunst bekunden. Eventuell ist diese nicht unproblematisch und würde vielleicht für manche unter den Begriff der „modernen Unkunst“ fallen, wie dieser von BÜHLER im Zusammenhang mit Comic-Figuren verwendet wird. Geisteswissenschaftliche Aussagen zu Comic-Figuren existieren im Kapitel Nr. 15-E >Kosmische Phänomene< zu einem Traum von mir vom 25.08.1999.

Vielleicht ist mir all das Schreckliche, was sonst innerhalb des Menschen ist, in der Außenwelt begegnet, wie dies die verschiedenen Kapitel aufzeigen (z.B. im Kap. Nr. 11 >Dämonen<, Kap. Nr. 7 >Tyrannei<, Kap. Nr. 36 >Gewaltlosigkeit<, Kap. Nr. 12 >Schwarzer Magier< u.a.).

 

Einen ähnlichen Verdacht hatte ich bereits am 10. Oktober 1999 in meinem Tagebuch protokolliert. Konkret in der betreffenden Nacht wurde ich im Traum innerhalb eines Autobusses mehrmals von einem Hund gebissen, überwiegend in den Arm, was aber merkwürdigerweise überhaupt keine Schmerzen verursachte.

 

Jedoch hatte ich davor schon seit mehreren Wochen fast jede Nacht jeweils von einem Hund geträumt, der in meiner Nähe herumstrich. Ich protokollierte damals die Deutung, dass dieser Hund mit den teuflischen Menschen (das „Chaotenpärchen“, wie ich es in dem Kapitel Nr. 7-B >Tyrannei< leider verniedlichend bezeichnet habe) zusammenhing, durch die ich gezwungen war, Aggressionen zu entwickeln wegen ihrer >Tyrannei<. Gleichzeitig glaube ich, dass diese >Tyrannei< kein Zufall war, und die Hunde in den Träumen deuteten m.E. darauf hin, dass dieses Geschehen eine Art „Hüter der Schwelle“ für mich darstellte – wie vermutlich all die anderen schrecklichen Erlebnisse ebenfalls. Mittlerweile habe ich jetzt schon seit vielen Jahren niemals mehr von einem Hund geträumt (Aussage im Mai 2017).

 

Bei TAULER las ich dann übrigens[7], dass man sich alles dieses Schreckliche von anderen Menschen gefallen lassen müsse, bis es durch Gott aufgelöst werden würde. Zu 90 % habe ich danach gehandelt, was immer furchtbar war. Ich gestehe aber, dass es mir subjektiv besser ging, wenn ich mich in irgendeiner Weise gewehrt habe.

 

Dass man die Hilfe Gottes abwarten soll, hat auch JOHANNA SPYRI[8] in ihrem Buch >Heidi< (Gesamtausgabe) in einem Gedicht bzw. Gebet verarbeitet. Ich kannte dies schon seit meiner Kindheit. Jedoch erst zwischen 1986 und 1993 habe ich die Gedichtzeilen für mich zu einem persönlichen Gebet umformuliert, auswendig gelernt und innerlich sehr oft gesprochen; denn zu der damaligen Zeit litt ich alle drei Tage unter Liebeskummer (siehe Kapitel Nr. 37-E+D >Eifersucht<). Die Gebetszeilen nach JOHANNA SPYRI lauten[9]:

 

„IHN, IHN lass tun und walten,

ER ist ein weiser Fürst

Und wird es so gestalten,

Dass du dich wundern wirst,

Wenn ER, wie IHM gebühret,

Mit wunderbarem Rat

Das Werk hat ausgeführet,

Das dich bekümmert hat.

 

ER wird zwar eine Weile

Mit Seinem Trost verziehn

Und tun an Seinem Teile,

Als hätt` in Seinem Sinn

ER deiner sich begeben,

Als soll`st du für und für

In Angst und Nöten schweben,

 

Als fragt` ER nichts an dir.

Wird`s aber sich begeben,

Dass du IHM treu verbleibst,

So wird ER dich erheben,

Da du`s am mind`sten gläubst.

ER wird dein Herz erlösen

Von der so schweren Last,

Die du zu keinem Bösen

Bisher getragen hast“[10].

 

Am 06. Oktober 1995 hatte ich dann auch tatsächlich einen Traum, in welchem die („vermeintliche) Tochter von JOHANNA SPYRI in einem Buch von mir (eventuell war es mein Exemplar von >Heidi<, vielleicht war es aber sogar meine von mir selbst verfasste Autobiografie, die damals erst in meiner Fantasie existierte) mir eine Widmung in golden[11] eingedruckter Schrift auf Plastikfolie zugeeignet hat.

 

Die Aussage im Traum lautete, dass die Tochter in Berlin verheiratet war und allerdings einen ganz anderen Namen trug (durch die Verehelichung). Von dem Lebensalter her ist es allerdings in der irdischen Realität kaum möglich, dass ich einer eventuellen Tochter von JOHANNA SPYRI jemals begegnen könnte, höchstens einer Enkelin. Nur in dem Traum handelt es sich ja sowieso „nur“ um ein Geschehen in der Astralwelt. Wiederum weiß ich nicht, ob die Dichterin überhaupt eine Tochter im irdischen Leben gehabt hatte. Dies hatte ich jahrelang hier zu stehen, weil ich es versäumt hatte, über Wikipedia zu recherchieren, was ich erst im Mai 2017 nachholte. Real hatte Johanna Spyri als einziges Kind einen Sohn, so dass mein Traum mit einer Tochter von ihr eben einen anderen Zusammenhang haben muss.

 

Todesähnliche Erfahrungen zu machen, wie diese beim >Herausziehen des Ätherleibes< auftreten, bedeuten immer, dass das Ego[12] transformiert wird oder mit anderen Worten, dass es „stirbt“. Dies ist notwendig, da alle Menschen an ihrem begrenzten Selbst hängen. Da dieses wiederum nur begrenzte Erfahrungen ermöglicht, ist das Lösen aller Bindungen von dem eigenen Ego erforderlich[13].

 

Gegenüber dem „schrecklichen“ kleinen Hüter der Schwelle erscheint nun der große Hüter der Schwelle (siehe auch die Fußnote hier im Kapitel) vor dem Geistesauge in überwältigender Lichtkraft als ein Wesen, das zugleich objektive Strenge und Güte ausstrahlt. Dieser große Hüter der Schwelle ist das Menschheits-Ich, das in >Jesus, dem Christus Gottes< (Kap. Nr. 44) in der Welt erschienen ist. Der Anblick des großen Hüters erfüllt den Menschen mit dem Bewusstsein davon, was er dereinst würde sein können, wenn er sich völlig mit der Kraft des Christus durchdrungen haben würde[14].

 

Ende des Kapitels Nr. 16 >Herausziehen des Ätherleibes<.

 



[6] Anthroposophische Gesellschaft: FN bei 24-H >Ashram<.

Über die „Grundlagen“ der „Anthroposophische Bewegung“ (Teil I) habe ich übrigens ein Essay verfasst unter meinem zweiten (männlichen) Pseudonym GARY DAVIDOFF bei dem Online-Verlag https://www.xinxii.com. Ich weise hier in dieser Autobiographie wiederholt aus existentiellen Gründen auf diese geisteswissenschaftlichen Veröffentlichungen hin (insgesamt sind es 25 Exposés über verschiedene esoterische Themen). Sie sind bei XinXii abrufbar unter der Kategorie „Esoterik“ ==> „Metaphysik“. – Teil II und Teil III dieses Essays beziehen sich dann auf „Rudolf Steiner“ und seine „Metaphysische Geisteswissenschaft“.