Sternenschnee

 

Kim Carrey:

Sternenschnee (108)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Kreuzigung und Gehenkter

(19.C) Kosmos der Liebe

der ich unter Menschen nicht leben kann

 

 

Zurück zum Mystischen Tod, welcher ein Aspekt der Christlichen Einweihung[1] ist und die fünfte Gefühlsstufe charakterisiert, die ein Aspirant durchleben muss. Das Empfinden ist für den Geistesschüler so, als ob sich in einem Augenblick vor alles physisch Sichtbare ein schwarzer Vorhang stellt und als ob alles verschwände.

 

Des weiteren muss erlebt werden das Hinuntertauchen in die Urgründe des Bösen, des Schmerzes, des Kummers und des Leides. Alles, was an Bösem auf dem Grund der Menschenseele lebt, erfährt der Schüler beim „Niedersteigen in die Hölle“. Hat der Aspirant das erlebt, dann ist es, wie wenn der schwarze Vorhang zerreist – und der Schüler sieht hinein in die geistige Welt[2].

 

Zum Mystischen Tod hin führen nach INTERMEDIARIUS die Worte „nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe“[3]. Dies ist insofern besonders interessant, als der große Avatar Babaji[4], von dem Paramahansa Yogananda[5] in seiner >Autobiographie eines Yogi<[6] spricht, diese Worte: „Herr, Dein Wille geschehe“[7] als das Maha-Mantra (Großes Mantra) bezeichnet, welches die größten Wirkungen erzielen soll. Dies hat Babaji dem Acharaya Leonard Orr[8] offenbart, als dieser den Avatar aufsuchte[9].

 

Für alle Wesen, die innerhalb der niedersten kosmischen Region verkörpert leben (einschließlich der Menschen), ist der Tod die natürliche Befreiung von der dreifachen Hülle, die ohne die Mitwirkung des Bewusstseinszentrums stattfindet. „Der innere Mystische Tod aber ist eine übernatürliche Befreiung, eine Überwindung und eine Verwandlung der dreifachen Hüllennatur, ohne dass die Hülle selbst dabei abgelegt wird und das innere Bewusstseinsleben sein Wirken innerhalb der physischen Welt aufzugeben hat“.

 

„Der natürliche Tod führt zur Vernichtung des Tempels, weil derselbe unrein und dem wahren inneren Wesen des Menschen nicht angepasst war; es muss das Herz zerbrechen, damit das im unerleuchteten inneren Heiligtum weilende Geistesleben frei werde. Der übernatürliche Mystische Tod bewirkt die Reinigung und Erleuchtung des Tempels, damit der Geist Gottes in das innere Heiligtum des menschlichen Herzens einziehen kann“[10].

 

Im Kapitel 21-C >Homo Coelestis< ist dargelegt, wie der Prozess des Kreuzganges mit dem psychologischen Moment beginnt, wenn der Himmlische und der irdische Mensch miteinander verbunden werden. Der Himmlische Mensch gibt sich dem dialektischen[11] Menschen dann vollkommen gefangen, um diesen irdischen Menschen endlich zum Selbstopfer zu führen, worunter der Mystische Tod zu verstehen ist.

 

Strukturell ersetzt der Himmlische Mensch ab da den dialektischen Menschen in drei Prozessabläufen, welche im Evangelium als die drei Tage ab Karfreitag dargelegt sind. Am Morgen des Ostersonntags ist dieser Prozess des Todes dann beendet durch die Auferstehung. Diese bedeutet das vollständige Verschwinden des dialektischen und die Wiederauferstehung des wahren Himmlischen Menschen, welcher nun ins Unbewegliche Königreich[12] zurückkehren kann[13].

 

Die >Kreuzigung< bildet den Anfang des Mystischen Todes. Es ist weder die letzte noch die schrecklichste Prüfung in dem Prozess zur Geistigen Wiedergeburt. Die >Kreuzigung< offenbart sich in der Stigmatisation, d.h. in den Wundmalen Christi[14] (siehe das Kapitel 6-C >Stigmata<).

 

Nach anderer Definition handelt es sich bei der >Kreuzigung< um die Zerstörung des Kausalkörpers[15] zur Zeit der vierten Einweihung. Es findet dabei eine Art Verbrennung des Gewebes statt, die zur Einheit von Ego[16] und Monade[17] führt, was mit anderen Worten identisch mit der Mystischen Hochzeit[18] ist oder als „Verschmelzung mit dem Justierer“ bezeichnet wird, was im Kap. Nr. 63-A >Flammenspiel< dargelegt ist.

 

Es gibt nun noch bei STEINER eine spezielle Bezeichnung, die lautet: „… gekreuzigt sein im Leibe“. Die damit verbundenen Leiden sind angesprochen in der Apokalypse des Johannes[19], wo es nach STEINER um das vierte Siegel geht. Hier wird dem Johannes von einem Engel befohlen, dass er das mitgebrachte Büchlein verschlingen soll, und es wird ihm vorhergesagt, dass ihm dieses Büchlein „im Bauche grimmen würde“, aber in seinem Munde würde es süß sein wie Honig[20]. Dabei soll das Büchlein die Botschaft der Liebe symbolisieren, denn die Erde soll der Kosmos der Liebe werden.

 

Die Süße des Honigs soll wiederum die Seligkeit des geistig-göttlichen Lebens bedeuten, die Johannes als der Apokalyptiker (sowie alle sich dazu entwickelnden Menschen) schon in seinem irdischen Leben empfinden lernen konnte. Dies bedeutet gleichzeitig die Beteiligung des physischen Körpers, wozu STEINER nun ausführt:

 

„Und in mancher Beziehung gibt der heutige Leib gerade dadurch, dass er dem Geist die Möglichkeit bietet, hoch hinaufzusteigen, auch die Möglichkeit zu leiden. … Aber das ist nur ein kleiner Abglanz von dem ´im Leibe gekreuzigt` zu sein. Je höher der Geist steigt, desto schwieriger wird ihm das Wohnen im Leibe. Und das ist zunächst der symbolische Ausdruck für diese Schmerzen: ´gekreuzigt sein im Leibe`“[21].

 

Auch bei der >Avatarin< Mutter Meera (siehe Kap. Nr. 29) ist etwas Ähnliches geschildert als Aussage von Paramatman, dem Höchsten Wesen. Sie fragte Ihn: „Mit fortschreitender Vergeistigung werden unser Denkorgan und unsere Vitalorgane schwächer. Warum?“ Und Paramatman antwortete ihr: „Die physischen, vitalen und mentalen Fähigkeiten werden in eine größere Kraft umgewandelt. Deshalb werden diese normalen Teile des Menschen schwach, wenn sie ihre Stärke jener spirituellen Kraft übergeben“[22].

 

Im Unterschied zu einem geistig hoch entwickelten Menschen sind die gewöhnlichen Menschen gerade vom Verstand und von den Vitalkräften beherrscht, weshalb eine zu nahe Begegnung zwischen gewöhnlichen Menschen und geistig hoch entwickelten oft schwierig ist. Paramatman gestattet denn auch den hoch entwickelten Menschen durchaus, ohne Anhänger wirksam zu sein. Sie leben oft völlig unerkannt unter den gewöhnlichen Menschen. Im Kapitel Nr. 41-B>Sonnenfinsternis< ist dies im Zusammenhang mit dem Anachoretentum[23] ausgeführt, wo es z.B. auch von der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann[24] unter dem Datum des Okt.1993 die Aussage gibt: „… der ich unter Menschen nicht leben kann“.

 

Im Kapitel Nr. 18-C >Schlafstörungen< ist zu dem Krankheitsbild des CFS (Chronic Fatigue Syndrom), welches u.a. von Symptomen der Erschöpfung begleitet ist, erwähnt, dass durch eine fortgesetzte Ausbildung des Lichtkörpers (siehe Kapitel 21-D >Homo Coelestis<) dieser umso höher vibriert. Für den betreffenden Menschen ist es dadurch ziemlich unangenehm, in seinem Körper auf der Erde zu bleiben[25].

 

Der große Erzengel Michael[26] hat durch ERIC KLEIN ausgesagt: „Sobald eure Frequenz zu steigen beginnt, werdet ihr eure Verbindungen mit der Erde stärker empfinden und in eurem zweiten, dritten und ersten Chakra[27] vielleicht Schwere und Dichte spüren. Es wird sein, als ob ihr versuchtet, wie ein Ballon zu schweben und euch viele Seile festhielten“[28].

Und der Erzengel Michael bietet für diesen Fall an, dass man ihn anrufen kann und dass man sich dann ein leuchtend blaues Schwert[29] vorstellen solle, welches die Bänder durchtrennt. Dann solle man sich leichter fühlen. Man brauche auf keinen Fall Angst zu haben, dass man die Verbindung mit der dritt-dimensionalen[30] Wirklichkeit verlieren würde.

 

Wenn dem Menschen das neue Lichtkleid (siehe im Kapitel 21-D >Homo Coelestis<) zuteil geworden ist, dann geschieht es gerade durch die Kraft des Lichtes, welche von dem neuen Kleid ausstrahlt, dass bei dem betreffenden Menschen alle Kräfte der alten Lipika[31] angegriffen und diese ihrer Kraft beraubt werden. Die alte Lipika wird dadurch geschwächt – und es wird allerdings zugleich eine neue Lipika aufgebaut.

 

Die Sonne der Natur, die Sonne, die dem alten Leben Vitalität gibt, die Sonne des Ichwesens, muss also für immer untergehen[32]. Sollte nun ein Aspirant festgestellt haben, dass die Kräfte seiner Naturlipika merklich schwächer geworden sind, dann soll er dem Herrn allen Lebens dankbar dafür sein und nicht an alten Kräften festhalten, die doch zerbrochen werden müssen[33].

 

„In der Tat ist die christliche Therapie eine Methode, die den eigenen Interessen und Wünschen zuwiderläuft“[34]. Zunächst muss nämlich die Qual des weltlichen Lebens gegen die Qual des Erlösungsprozesses eingetauscht werden, wobei letztere ein Leiden des Durchbruchs bedeutet. Ohne diesen schmerzhaften Prozess kann der Durchbruch nicht geschehen.

Mein eigenes körperlich-seelisch-geistiges Absterben in diesem Leben hat nach meiner Wahrnehmung bereits 1985 begonnen gehabt, als ich mit einem Mann liiert war, dem ich zum Teil mein erstes Erleuchtungserlebnis zu verdanken hatte, was in dem Kapitel 2-D >Erleuchtung< zu der Jahreszahl geschildert ist.

 

Damals begann mein Versuch der Selbstüberwindung, zu der ich bei diesem Mann „gezwungen“ war, sofern ich die Beziehung überhaupt hatte führen wollen. Denn er hatte verschiedene charakterliche Mängel, die eigentlich nicht erträglich waren und letztlich auch dazu führten, dass ich die Beziehung beendete. Und mit dieser Selbstüberwindung begann bei mir zugleich eine merkliche Schwächung meines Ichs, womit hier mein niederes Selbst gemeint ist. Und 6 Jahre später, am 02.Nov.1991, protokollierte ich bereits: „Ich empfinde oft das Tote an der Natur, am Natur-Menschen und an mir selbst“.

 

Am 12. Oktober 1993 findet sich in meinem Tagebuch eine Notiz, dass es mir bereits seit 1986 körperlich nicht gut ging und ich unter mangelnder Lebenskraft litt. Und ab Mai 1987 fühlte ich mich schon dem (beruflichen) Existenzkampf nicht mehr gewachsen. Tatsächlich habe ich jedoch seitdem noch 20 Jahre lang bis einschließlich Jun.2007 diverse berufliche Leistungen in neun verschiedenen Arbeitsstellen erbracht. Vielleicht kann jemand erahnen, unter welchen Qualen dies alles erfolgt ist. Dabei betont KÜHLEWIND: Krankheit ist nicht Mangel an Kraft, sondern Zeichen der Sensitivität. Aus dieser werden Kräfte geboren. Wer nicht erkennt, dass er krank ist, ist deshalb noch nicht gesund“[35]. Entscheidende Darlegungen über Erschöpfung finden sich sonst im Kapitel 18-C >Schlafstörungen<.

 

Ich selbst hatte einmal eine bestimmte eigene Kreuzeswahrnehmung in meinem physischen Körper: Es war in der Nacht zum 15.Aug.1993, wo ich vor dem Schlafengehen noch etwas über mystische Symbolbedeutungen gelesen hatte und dadurch angeregt in einen recht aktivierten Zustand geraten war, was dem folgenden Einschlafen nicht gerade förderlich war. Als ich mich dann hingelegt hatte, wurde die Aufregung durch irgendein ganz subtiles Einströmen in mich gemildert, ja gelindert und es zog ein leichter lieblicher Friede in mich ein. Ich spürte diesen Frieden in meinem Herzen, auch eine zarte undefinierbare Liebe.

 

Meinen Körper dagegen empfand ich als sehr schwer, als große Last (selbst im Liegen) und ich empfand ihn in der Figur des Kreuzes, des schweren hölzernen Kreuzes: Ich nahm regelrecht die waagerechte Spanne zwischen den Schultern wahr und die senkrechte Spanne vom Kopf abwärts den Rücken entlang.

 

Dann „sah“ ich innerlich, vollkommen subtil, kaum wahrnehmbar, wie eine „Fee“ (wahrscheinlich war es ein Engelwesen) mit feinstofflichem Körper (wie durchsichtiges Tuch, also eine schemenhafte durchsichtige Frauengestalt), ebensolche durchsichtigen Tücher ganz sanft in den Händen hielt und diese Tücher zu mir hinbewegte. Dabei hatte ich das (ebenso subtile) Gefühl, dass in mir eine ganz minimale feinstoffliche Wandlung vollzogen wurde.

Es war – fast unmerklich – wundersam und wunderbar und erfüllte mich mit Dankbarkeit.

 

Etwas ähnliches wie in meinem Traum vom 15.08.1993 – jedoch m.E. weiterreichend – las ich wesentlich später (im Jahre 2007) von Ramdhari SILVIA SCHÄFER, die einmal Babaji[36]-Schülerin war, sich aber seit 1990 auf dem christlichen Weg befindet. Als sie den Lichtnahrungs-Prozess an sich vollziehen ließ (wo jemand weder feste noch flüssige Nahrung zu sich nimmt; siehe im Kapitel 4-A >Asketische Versuche<), geschah es bei ihr am siebenten Tag, dass sie mit den geistigen Augen sah, wie mehrere Engel damit beschäftigt waren, etwas vorzubereiten – fast wie in einem Operationssaal.

 

„Nach einiger Zeit sehe ich, wie von oben andere Engel herabschweben, einen bewusstlosen Körper tragend. Er ist in ein weißes Gewand gehüllt, eine Blumenkrone auf dem Haupt. Meine Seele hat keine Kindform mehr, sondern ist jetzt jungfräulich erwachsen. Sanft wird die Gestalt herniedergelassen und energetisch in meinen Körper eingestrichen“[37]. Tatsächlich soll SILVIA SCHÄFER durch diesen doch sehr beschwerlichen und belastenden Lichtnahrungs-Prozess die Wiedergeburt der Seele (siehe im Kapitel 4-A >Asketische Versuche<) erlangt haben, wie ihr offenbart wurde[38].

 

Als ich von dem Operationssaal las, fiel mir ein, dass an mir selbst einmal in einem Traum (mehrere Jahre vor 2007[39]) eine Herzoperation vollzogen wurde. Als sie vorbei war, ich noch auf dem Operationstisch lag und die Augen öffnete, sah ich über mir sowohl weibliche als auch männliche Ärzte, die sich mit außerordentlich liebevollen Gesichtern über mich beugten. Es wäre undenkbar, dass dies Menschen/Ärzte (von heutzutage) waren (womit ich keinesfalls Ärzte diskreditieren[40] möchte). So liebevoll schaut kein Mensch auf einen anderen „fremden“ Menschen herab, sondern ich vermute auch, dass dies damals Engelwesen waren.

 

Von der französischen Mystikerin „Madame Guyon[41] existieren ebenfalls Darlegungen über dieses „Leben im gekreuzigten Leibe“. Sie benennt dies als „Weg des sterbenden Lebens“, welchen sie durchmachen musste, bevor Gott ihr ermöglichte, in den Zustand des Mystischen Todes eintreten zu dürfen. Es ist dies die „Dunkle Nacht der Seele“, wie sie von vielen Mystikern beschrieben wird. „Je mehr die Seele sich dem Zustand des Todes nahte, umso länger und qualvoller wurde ihre Verlassenheit (von Gott), umso größer ihre Schwächen, … bis zu der Zeit, wo gänzliche Verlassenheit sie befiel“ [42], spricht Madame Guyon von sich selbst in der dritten Person.

 

Als ich vorstehenden Passus im April 2010 das letzte Mal vor Veröffentlichung Korrektur las, nachdem ich das Kapitel überwiegend schon 2007 verfasst hatte, wurde mir mit Erschrecken bewusst, wie ich selbst einen permanenten „Weg des sterbenden Lebens“ gehen muss seit Aug.2009, wo ich mich bereits als lebende Leiche erlebte. Dies stellte sich als der schrecklichste Zustand meines bisherigen Lebens heraus. Dieser Zustand ist seitdem insgeheim mein täglicher Begleiter, auch wenn die tiefste Krise vom Aug.2009 wieder vorübergegangen ist. Neben dem täglichen „sterbenden Leben“ geschehen mir allerdings auch positive Dinge - und auch Verheißungen. All dies ist geschildert im Kapitel Nr. 54 >Wahnsinn oder unendliche Liebe<.

 

Zurück zu Madame Guyon: Als ihr Bewusstsein von Gott in diesem Zustand allmählich immer mehr erlosch, ist ein geistiges und sittliches Chaos über sie gekommen und hat ihre seelische Verlassenheit und Not begleitet. Madame Guyon schreibt: „Da geschah es, … dass ich das Böse, das ich hasste, tat, und das Gute, das ich liebte, unterließ. … Meine Phantasie war in einer entsetzlichen Verwirrung und ließ mir keine Ruhe. … Anstatt jenes himmlischen Friedens, in dem meine Seele sich so sicher gefühlt hatte, hatte die Pein der Hölle ganz von mir Besitz ergriffen. Ich fühlte mich erhärtet gegen Gott, unempfindlich für Seine Gnade. … Das Gute erschien mir als böse, und – was das Furchtbarste war – ich hatte das Gefühl, dass dieser Zustand immer dauern müsse. Denn ich glaubte nicht, dass es ein Zustand sei, sondern ein wirklicher Abfall“[43].

 

Sie hatte das Gefühl, dass alles sich gegen sie verschworen hätte. „Äußeres Kreuz“ jeder Art, Verlust von Gesundheit und Freundschaft, häusliche Verdrießlichkeiten kamen zu ihrer inneren Qual hinzu und steigerten sie. „Es ist unbegreiflich für eine Seele, die sich auf dem Wege der Vollkommenheit vorangeschritten glaubt“, sagt Madame Guyon, „sich so mit einem Schlage vernichtet zu sehen“[44].

 

In meinem eigenen Tagebuch findet sich übrigens eine ähnliche Notiz zur Thematik von Gut und Böse am 04.08.1993: „Ich habe selbst erlebt, wie ich böse geworden bin, wie das unheilige Feuer in mir brannte und ich weiß noch, wie es gekommen ist: Es ist geschehen, weil mein Göttlich-Gutes in mir (durch andere Menschen) gequält wurde und in dem Ringen um das Aufrechterhalten des Guten in mir war ich zu einem bösartigen Kampf gegen das Böse ´gezwungen` – übergangsweise, bis sich mein Gutes vollkommen wieder gegen das Böse verwahren konnte und ich das Böse von mir weisen konnte. Danach war ich wieder (relativ) gut. Das Gute in mir hatte dann gewonnen“.

 

Es existieren gerade über Madame Guyon noch viele interessante Darlegungen bei UNDERHILL, die mich speziell sehr fasziniert haben. In der darauffolgenden Nacht (nach dem wiederholten Lesen, am 26.10.2005) hatte ich dann auch einen Traum mit einem der >Kosmischen Phänomene<, welches ich mit Madame Guyon deutungsmäßig in Verbindung bringe. Dieser Traum ist in dem dortigen Kapitel 15-K unter dem betreffenden Datum geschildert.

 

So wie ich die Darlegungen über Madame Guyon faszinierend fand, so sagt auch UNDERHILL über sie aus, sie sei eine der interessantesten Persönlichkeiten ihrer Zeit gewesen. Dies, obwohl ihre mystischen Beschreibungen auch der Kritik und Verleumdung ausgesetzt waren, da sie als typische Quietistin[45] galt.

 

Madame Guyon besaß jedoch als Medium und Mystikerin die Fähigkeit des Hellsehens, der Prophetie, der Telepathie und der automatischen Schrift[46], d.h. ihr wurden geistige Inhalte von einer spirituellen Ebene diktiert, die sie in rasanter Geschwindigkeit niederschrieb.

Sie ist übrigens auch von dem hier in dieser Autobiographie mehrfach erwähnten englischen Maler und Mystiker William Blake[47] in dessen gewaltiger Vision >Jerusalem< erwähnt worden als eine der (dort genannten zwei) „edlen Seelen“ (neben der heiligen Teresa)[48].

 

Fortsetzung folgt im Teil D zum Kapitel Nr. 19 >Kreuzigung und Gehenkter<.

 



[1] Über „Einweihung und Hellsichtigkeit“ habe ich ein Essay verfasst unter meinem zweiten (männlichen) Pseudonym GARY DAVIDOFF bei dem Online-Verlag https://www.xinxii.com. Ich weise hier in dieser Autobiographie wiederholt aus existentiellen Gründen auf diese geisteswissenschaftlichen Veröffentlichungen hin (insgesamt sind es 25 Exposés über verschiedene esoterische Themen). Sie sind bei XinXii abrufbar unter der Kategorie „Esoterik“ ==> „Metaphysik“.

[2] STEINER/TB644/S.193

[3] INTERMEDIARIUS/Bd.IV/S.26

[4] Avatar Babaji: Text bei 48-B >Okkulter Gehorsam< und FN bei 4-A >Asketische Versuche<.

[5] Paramahansa Yogananda: FN bei 40-C >Meditation<.

[6] PARAMAHANSA YOGANANDA/Autobiographie eines Yogi

[7] Om Nahama Shivaya: = „Herr, dein Wille geschehe“ (siehe Text hier im Kapitel 19-B >Kreuzigung und Gehenkter<).

[8] Leonard Orr: FN bei 18-A >Schlafstörungen<.

[9] ORR/Das Yoga des immerwährenden Lebens/In: JASMUHEEN/Lichtnahrung/S.63

[10] INTERMEDIARIUS/Bd.IV/S.97

[11] dialektisch: FN bei 1-A >Einleitung<.

[12] Unbewegliches Königreich: FN bei 21-C >Homo Coelestis< bzw. siehe „Fixum Coeli“ im Kap. 9-B >Supramentale Wesen<.

[13] van RIJCKENBORGH/Das Licht der Welt/S.86f.

[14] Nach Notizen der Verfasserin; Literaturquelle nicht mehr bekannt.

[15] Kausalkörper: FN bei 11-B >Dämonen<.

[16] Ego: FN bei „Höheres Selbst“, Kap. 2-C >Erleuchtung<.

[17] Monade: FN bei 11-B >Dämonen< und Text bei 21-C >Homo Coelestis<.

[18] Mystische Hochzeit: siehe Text im Kapitel Nr. 11-B >Dämonen<.

[19] Apokalypse des Johannes: FN bei 23-A >Priesterseele<.

[20] Die Offenbarung des Johannes, Kap.10, Vers 9.

[21] STEINER/GA104/S.172

[22] ADILAKSHMI/Die Mutter/S.44

[23] Anachoretentum: siehe auch Text bei 46-H >Existenzsicherung<.

[24] Ingeborg Bachmann: FN bei 41-C >Sonnenfinsternis<.

[25] ANSELMI/S.115

[26] Erzengel Michael: siehe Kap. Nr. 72 >Cherub Michael<.

[27] Chakren: Text bei 39-B >Auftreten von Blitzen< und bei 21-G >Homo Coelestis<.

[28] KLEIN/S.110

[29] leuchtend blaues (Flammen-)Schwert: siehe Kap. 36-D >Gewaltlosigkeit< und Text bei 6-B >Stigmata<.

[30] Dritte Energiedichte-Dimension: FN bei 4-C >Asketische Versuche<.

[31] Lipika: Hierunter ist das >Aurische Wesen< (siehe dortiges Kapitel 13-A) eines Menschen zu verstehen, welches der Träger des Karmas und damit der Träger aller Gebundenheiten an die Vergangenheit darstellt (JAN van RIJCKENBORGH/Der kommende neue Mensch/S.363/Worterklärung).

[32] JAN van RIJCKENBORGH & C.de PETRI/Die große Umwälzung/S.156f.

[33] JAN van RIJCKENBORGH & de PETRI/Die große Umwälzung/S.159

[34] JAN van RIJCKENBORGH & de PETRI/Die große Umwälzung/S.163

[35] KÜHLEWIND/Die Wahrheit tun/S.81

[36] Babaji (Mahavatar): FN bei 4-A >Asketische Versuche<.

[37] SCHÄFER/Das Ende der Raupe ist der Beginn des Schmetterlings/In: JASMUHEEN/Der Lichtnahrungs-Prozess – Erfahrungsberichte/S.58

[38] SCHÄFER/S.92

[39] Das genaue Datum weiß ich nicht mehr auswendig.

[40] diskreditieren: FN bei Kap. 50-A >Neues Gebot<.

[41] Madame Guyon (mit vollem Namen: Jeanne Marie Bouvier de la Mothe Guyon): französische Mystikerin, *1648, +1717 (UNDERHILL/Mystik/S.500f.). Weitere Angaben siehe im Text.

[42] zitiert in: UNDERHILL/Mystik/S.507

[43] Madame GUYON, zitiert in UNDERHILL/S.500f.

[44] zitiert in: UNDERHILL/S.501

[45] Quietisten: Ihnen wird das Prinzip der Passivität als höchste Ausdrucksform ihres mystischen Erlebens zugeschrieben, weil sie es durch kein persönliches Eingreifen zu steuern versuchen (nach UNDERHILL/Mystik/S.417-423).

[46] UNDERHILL/S.384

[47] William Blake: FN bei 1-A >Einleitung< und Text bei 11-B >Dämonen<.

[48] UNDERHILL/S.617