Sternenschnee

 

Kim Carrey:

Sternenschnee (111)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Ritter auf schwarzem Pferd

(20.B) Kentaur

…Mysterium des Nicht-Seins

 

 

Deutungen der Farben der Pferde in der >Apokalypse des Johannes< wurden auch von der Mystikerin Jane Leade[1] gegeben, deren Originaltext >Offenbarung der Offenbarungen< es höchstens noch in einem Antiquariat geben soll; denn der Text ist bereits 1892 erschienen, obwohl er sogar schon aus dem 17. Jahrhundert stammt, wo JANE LEADE gelebt hat. Der Text wurde aufgegriffen von WEINFURTER in seinem Buch >Der brennende Busch< und soll hier auszugsweise referiert werden.

 

JANE LEADE beschreibt dort zum Zweiten Siegel (Off.Joh.6,3-4), wie sie der Anblick des Reiters auf dem roten Pferde sehr erfreute; denn dieser erschlug mit seinem Schwert „die Tiere“ (wohl als Symbol gemeint) und das „Gewürm“ der Erde, worunter alle bewegenden, anregenden Triebe zu verstehen sind, die dem Urquell des Übels entsteigen. Und so nahm der Reiter den Frieden von dem irdischen Leben hinweg.

 

In jeder Tätigkeit war ab diesem Zeitpunkt “der irdische Sinn beraubt“, ob es nun die Gedanken, Worte oder Handlungen betraf[2]. Alle Triebe des Erdenlebens wurden getötet und zerstört[3]. „Und dieses Schwinden des Friedens aus dem irdischen Leben ist eine gesegnete Vorbereitung zu dessen schließlicher Vernichtung, die nach Absicht des königlichen Erlösers auf jene folgen soll“[4].

 

Bei JANE LEADE wird nun auch die Verbindung gezogen, dass der >Ritter auf dem schwarzen Pferd< den CHRISTUS (siehe Kap. Nr. 44 >Jesus, der Christus Gottes) bedeutet, der die Waage in Seiner Hand hält. In dieser Waage der Gerechtigkeit müssen die irdischen Triebe gewogen werden. „Denn das in den Toten und auferweckten Heiligen auferstehende Leben des Lammes in der einen Waagschale wiegt all ihre Gedanken, Worte und Werke mit dem Gewichte der Vollkommenheit, und die andere Schale mit Christus, dem Allheiligen, zeigt, ob sie mit ihm im Gleichgewicht stehen, auf dass alles Wachstum und aller Überfluss sich in der Fruchtbarkeit des Geistes entwickeln möge. Denn von solch himmlischer Saat soll eine Ernte aufsprießen, wie sie in ihrer Fülle alle früheren übertreffen wird“[5].

Zu einer solchen im Symbol dargestellten Ernte siehe meinen Traum vom 03.02.2009 im Kap. Nr. 53-H >Hoffnung<.

 

Es ist dann bei JANE LEADE noch von einem „starken“ Pferd die Rede, welches der CHRISTUS „in“ Seinen Heiligen reiten wird und der Name dieses Pferdes ist „Besiegung des Todes“. Da JANE LEADE sich bei dem starken Pferd auf die Verse 7-8 (des 6. Kapitels) der >Offenbarung von Johannes< bezieht, kann die Identität zu dem „fahlen“ Pferd erkannt werden. Diesem fahlen Pferd folgt nun die Hölle nach. Der Tod wird dabei nur den vierten Teil der Erde, nämlich das Böse im irdischen Leben schädigen, das die Herrschaft hat, bis >Jesus, der Christus Gottes< (Kap. 44) in Seinen Heiligen[6] erstanden sein wird. Bis dahin ist es allerdings dem Tier gestattet, die Heiligen zu bekriegen und sogar für eine gewisse Zeit zu überwältigen[7].

 

„Das Tier“ hat hier die Macht, auch die Heiligen in ihrem weltlichen, d.h. auf ihren äußeren Menschen erstreckenden Gebiet zu beherrschen; denn der äußere Mensch steht im ursprünglichen Reich des Tieres, in welchem dieses die Macht hat. Das Tier darf diese Heiligen durch Grausamkeiten bis zum Tode quälen und aushungern.

 

So beschreibt JANE LEADE, wie sie persönlich fortgesetzten Übergriffen „des Tieres“ ausgesetzt war, was sie vor Gott beklagte. Und ihr wurde verheißen, dass sich „bald[8] eine Schale des Zornes über „das Tier“ ergießen sollte und es für immer in den Zornesfluten begraben sollte. Nimmermehr sollte es jene kränken, die Gottes Siegel tragen, sondern dem Tier würden ewige Ketten angelegt. Und Jene, welche mit CHRISTUS den Tod erlitten haben, werden zu siegreicher Herrschaft erhoben[9]. Es wird dann noch bei JANE LEADE dargelegt: „Und haben auch Viele für lange Zeit in Schlaf und Gefangenschaft gelegen, so ist solches doch nur zugelassen worden, damit ein umso stärkerer Schrei aufsteige“[10].

 

Bezüglich der Lösung des Fünften Siegels (Off.Joh.6,9,10,11) widerfährt der Seele das, was mit dem Tod des Lammes übereinstimmt, und die Seele liegt wie brennende lebendige[11] Kohle unter seinem Altar und schreit unaufhörlich danach, in der Macht der Herrlichkeit zu erstehen, um Rache an den Mördern des Gerechten zu üben.

„Doch wie Abels Blut nach Rache geschrien hat, so schreit noch stärker Jesu Blut in den Seelen derer nach Rache, die mit Christus starben, und der HERR hat ausdrücklich verheißen, dass, wenn auf dem Altar der Weihrauch von der lebendigen Kohle der Seele aufsteigt, dies deutlich bezeuge, dass die Auferstehung nahe sei, zu welcher Zeit die nackte Seele mit ihrem langen weißen Gewande bekleidet werden solle“[12].

 

Zwischen dem Urbeginn der Menschheitsentwicklung und dem zukünftigen Apokalyptischen Geschehen (siehe Kapitel 15-i >Kosmische Phänomene<), wo >Jesus, der Christus Gottes< (Kap. 44) auf einem weißen Pferd erscheinen wird, hatten sich nun die weisen Instinkte verdunkelt. Sie wurden von der (roten) Begierden-Natur ergriffen und verdichteten sich dann zum erdgebundenen Intellekt, der misst und zählt, was in dem schwarzen Pferd symbolisiert sein soll.

 

Schließlich wurden die weisen Instinkte im Materialismus[13] immer mehr von zerstörerischen (widergöttlichen) Mächten missbraucht, bis der Tod auf dem fahlen Pferd einherreitet. „Die Willensrichtung, die im Denken wirksam ist, ist jeweils das Entscheidende: Sie offenbart sich in Gestalt und Farbe des Pferdes“. Und als Fazit legt MEYER dar: „Erst die Zukunft wird den Triumph der lichten Himmelsweisheit über das zum Untergang steuernde Denken bringen. Dann erscheint der weiße Reiter auf neue Art im Erdenbereich“[14].

 

In alten Zeiten war der Verstand noch keine selbständige Kraft im Menschen, sondern er war leibgebunden. Etwa um die gleiche Zeit wie die Ich-Entwicklung in der Menschheits-Evolution einsetzte, tauchte das Pferd auf. Dies wird von Hammurabi[15] beschrieben. Das Pferd stieg aus den orientalischen Hochlanden herab.

 

„Zunächst wurde es für eine Art Wildesel gehalten; dann erkannte man seine Intelligenz und Anpassungsfähigkeit an den Menschen, und die Zähmung des Pferdes begann. Sie ist eine der großen Kulturtaten des Menschen. Der Mensch konnte ein Tier unter sich zwingen, das mehr als ein Tragtier war, dieses Tier konnte er seinem Willen unterordnen, es zügeln und lenken und zu Zielen führen. Was äußerlich geschah, geschah auch innerlich: Das sich verselbständigende Ich lernte, den freiwerdenden Verstand zügeln und dirigieren und zu seinen Geisteszielen lenken. Damit wurde das Pferd zum Wahrbild für den instinktiven Verstand“[16].

 

Dass das Pferd nicht nur ein Symbol für den Verstand darstellt, sondern dass nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen wirkliche Zusammenhänge dahinterstehen, legt STEINER dar. Denn der Mensch hat in seiner frühen Entwicklung die Pferdenatur aus sich herausgesetzt und hat dadurch überhaupt nur ab dem Arischen Zeitraum[17] (insbesondere während der jetzigen Europäischen Kulturepoche[18]) die Fähigkeit zur Intelligenz entwickeln können.

 

Ohne die Pferde hätte der Mensch sich niemals die Intelligenz aneignen können. „Das fühlte noch der Mensch in früherer Zeit. Alle die intimen Verhältnisse, die sich zwischen gewissen Menschenrassen und dem Pferde abspielen, rühren her von einem Gefühl, das sich vergleichen lässt mit dem geheimnisvollen Gefühl zwischen den beiden Geschlechtern, von einem gewissen Gefühl dafür, was der Mensch diesem Tier verdankt“[19].

 

Tatsächlich hatte ich am 08.Aug.2004 einen Traum, der regelrecht eine Art seelisch-geistiges Liebesverhältnis zu einem Pferd abbildete. In dem Traum saß ich selbst auf einem schwarz-braunen Pferd ohne Sattel und ohne Zaumzeug, geistig vollkommen real lebendig. Ich dirigierte das Pferd mit meinen Schenkeln in einer schwachen Linkskurve, was alles selbst im Traum für mich vollkommen ungewohnt war, und ich hatte Angst, dass das Pferd mir nicht gehorchen würde. Ich lehnte mich leicht links nach unten und gab mit meinem rechten Bein dem Pferd die Absicht zu verstehen (was eventuell rein reitertechnisch falsch war). Das Pferd folgte dem und half mir sogar, indem es mich irgendwie links abstützte, damit ich nicht hinunterfiel.

 

Ich sprach dann als Dank leise Worte zu dem Pferd, war aber unsicher, ob ich es damit nervös machte. Dann sagte ich dem Pferd, dass ich es liebe und tätschelte es leicht am Hals. Da drehte es so stark auf geistige Weise seinen Hals (wie dies physisch gar nicht möglich wäre), dass es mich mit seinem Kopf (bzw. seinen Augen) sehen konnte, als ob es mich vollkommen verstanden hätte und es herrschte eine große Liebe zwischen uns.

Real würde ich es nie wagen, mich auch nur einem Pferd zu nähern – geschweige denn, mich auf eines zu setzen.

 

Historisch ist der Mensch hinausgewachsen über den unintelligenten Zustand dadurch, dass er die Pferdeform abgesondert hat. In der Gestalt des Kentauren[20] ist diese erste Phase des noch weisheitsvollen Instinktes dargestellt. „Die Seele konnte in alten Kulturepochen noch nicht den Gedanken in Freiheit handhaben. Triebe, die viel klüger waren als der Kopf, lenkten und belehrten sie. … Ein Kentaur war zum Beispiel noch der weise Lehrer der griechischen Heroen, Chiron; aus ihm sprach nicht menschliche Vernunft, sondern die aus Naturtrieben aufsteigende Weisheit. Diese Stufe, da der Mensch noch mit dem Pferde zusammengewachsen war, musste überwunden werden“[21].

 

Da wurde der Mensch zum Reiter; er lernte selbst das Pferd lenken. Damit begann er die triebhaften Weisheitskräfte von seinem Ich aus zu meistern.

Ein geflügeltes Pferd wie der „Pegasus“[22] der Dichter repräsentiert nun - anders als der Kentaur - gerade die Vorstellungskraft, die sich von der Erdenschwere zu lösen und zum Überirdischen emporzuschwingen vermag[23].

 

Etwas Ähnliches wird auch im Märchen mit einem goldenen Pferd ausgesagt. Dieses läuft noch schneller als der Wind[24]. „Die Seele kann sich, wenn sie sich der Sinnesnatur entrungen hat, von Weltgedanken tragen lassen. Sie hat die Freiheit über Raum und Zeit erworben. Damit wird auf eine Sonnen-Einweihung hingedeutet. Gedankenmächte, die aus reinen Sonnenwelten stammen, wollen sich dem Menschengeiste schenken. Nur durch sie vermag er die Vereinigung mit seinem Höheren Selbst[25] zu finden, das noch in geistigen Höhen west“[26].

 

Neben den menschheitlichen Deutungen der Farbe von Pferden gibt es weitere Interpretationen bezüglich der individuellen seelisch-geistigen Entwicklung, wo außerdem die Rüstung des Ritters berücksichtigt ist. Danach repräsentiert ein Reiter mit einer roten Rüstung auf einem roten Pferd den Menschen mit einer erneuerten Seele, welcher das Siegel eines in Gott entflammten Herzens erlangt hat. Das Rot stellt dabei das Feuer und das Blut der geistigen Sonne dar. Der Mensch hat die geistige Liebeskraft in sich wirksam werden lassen und trägt sie unter die Menschen aus.

 

Sind Pferd und Rüstung des Reiters weiß, so ist dies das Symbol für das Siegel eines durch Wahrheit gereinigten Hauptheiligtums. Dieser Mensch konnte das Licht der Seelenweisheit in sich frei machen und an andere Menschen weitergeben, so dass bei ihm von einer Erneuerung des Geistes gesprochen werden kann[27]. Auf einem weißen Pferd zu reiten, bedeutet die Herrschaft über die reinen Gedankenkräfte und eine Vergeistigung des Wissens[28].

 

Sind nun Pferd und Rüstung des Reiters schwarz, so bedeutet dies, dass der betreffende Mensch durch das Mysterium vom Nicht-Sein, durch den Mystischen Tod[29] gegangen ist oder als Ankündigung durchgehen wird (siehe auch Darlegungen im Kapitel Nr. 54 >Wahnsinn oder unendliche Liebe<).

 

Der „alte“ (Natur-)Mensch ist hier zu Grabe getragen worden und der neue Mensch wird auferstehen zum neuen Leben[30]. Das Geheimnis vom Nicht-Sein ist ein Vorgang des inneren Stillwerdens und Lauschens nach der Stimme des ewig Unnennbaren. Nur so wird das neue Leben auch in einem neuen Leib verwirklicht.

Von wem ich die vorstehenden Darlegungen referiert habe, konnte ich merkwürdigerweise leider nicht mehr feststellen, was mir erst im Feb.2016 aufgefallen ist.

 

Tatsächlich habe ich die Aussagen über das Mysterium vom Nicht-Sein in meinem Traum vom 04.01.1997 (Teil 20-A) im Sinne der vorstehenden Deutung empfunden, wie auch bereits zu Beginn des Kapitels angesprochen. Durch die damaligen akuten schweren Konflikte mit meiner Mutter (Kap. Nr. 13 >Aurisches Wesen) ist in mir sehr viel abgestorben.

 

Am 01. Juni 2014 las ich dann jedoch etwas (was ich erst im Feb.2016 ergänzt habe), wodurch diese Darlegungen vom Mysterium des Nicht-Seins, die ich bereits 2008 hier verarbeitet hatte, in gewisser Weise „in Grund und Boden gestampft werden“. In Worten, die der Erzengel Raphael gesagt haben soll (nach Darlegungen bei JAKOB LORBER) rügte Raphael nämlich einen Anhänger der griechischen Philosophie wie folgt:

 

„Was faselst du von einem Sein und Nicht-Sein? Es gibt nur ein Sein; aber ein Nicht-Sein gibt es im ganzen endlosen Schöpfungsraum nimmerdar. Das zeitlich-materielle Dasein ist freilich wohl nur ein Probedasein zur Erreichung des wahren und nimmerdar zerstörbaren Daseins, ist aber in sich dennoch auch nur ein völlig geistiges Dasein, da es an und für sich in der vollsten und allerausgedehntesten Unendlichkeitssphäre unmöglich ein anderes wirkliches wahres Dasein geben kann“.

 

Raphael weist dann auf den HERRN hin, der bei dieser Rede von Raphael anwesend ist, und erklärt, dass Dieser zwar allein das wahre und ewig wirkliche Dasein in Sich Selbst ist, aber alle Wesen Seine verwirklichten Ideen und Lichtgedanken sind, die gleich Ihm unvergänglich und ewighin unzerstörbar sind und gleich Ihm völlig wahre Realitäten darstellen.

 

Nichts kann von dem jemals vernichtet werden; denn es hat seine unvertilgbare Realität, auch wenn in der materiellen Welt Formen, Erscheinungen und Wesenhaftigkeiten Veränderungen und scheinbaren Vergänglichkeiten unterliegen. Alle naturgemäßen Dinge, von denen der Mensch den Schlussstein bildet, sind ein vorangehendes Baumaterial, aus dem dann erst das Wesenhafte und Unzerstörbare der Geisterwelt hervorgehen muss und wird.

 

Und Raphael spricht erneut den griechischen Philosophen an: „Wenn du das alles recht aufgefasst hast, so wirst du dein altes Sein und Nicht-Sein wohl dahin zu berichtigen verstehen, dass es nur ein Sein, aber ewig nie ein Nicht-Sein geben könne. Denn gäbe es ein Nicht-Sein, so müsste es doch irgendwo sein und bestehen; bestünde es aber irgendwo, da wäre es ja doch kein Nicht-Sein, sondern ein Etwas, das am Ende doch auch da wäre“.

Und so kann der Mensch dann doch getröstet sein, dass er nicht am Ende seines (kurzen) Erdenlebens seine Glückseligkeit im vollen Nichtsein zu erwarten hat[31].

 

Fortsetzung folgt im Teil C zum Kapitel Nr. 20 >Ritter auf schwarzem Pferd<.

 



[3] Wie sehr diese Läuterung der Triebe notwendig wäre, wenn die Menschheit das Ziel ihrer Evolution erreichen wollte, ist Thema in dem Essay „Okkulte Entwicklung der Menschheit“, welches ich verfasst habe unter meinem zweiten (männlichen) Pseudonym GARY DAVIDOFF bei dem Online-Verlag https://www.xinxii.com. Ich weise hier in dieser Autobiographie wiederholt aus existentiellen Gründen auf diese geisteswissenschaftlichen Veröffentlichungen hin (insgesamt sind es 25 Exposés über verschiedene esoterische Themen). Sie sind bei XinXii abrufbar unter der Kategorie „Esoterik“ ==> „Metaphysik“.