Sternenschnee


Kim Carrey:

Sternenschnee (152)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Spirituelle Gemeinschaft (27.D) Sekten

…im Bann des Himmels

 

Zum ZP 17 habe ich im vorhergehenden Teil C des Kapitels Nr. 27 Darlegungen gemacht über die fortgesetzten Spenden-Aufrufe, die von der Leitung der SG gemacht wurden. Dies ist ein bekanntes Phänomen von wohl den meisten Sekten, wobei ich speziell ein Buch gelesen habe über die Mun-Sekte[1] von BARBARA und BETTY UNDERWOOD mit dem Titel >Im Bann des Himmels<[2]. Einige Stellen daraus hatte ich mir bereits zum ZP 18 notiert, wobei ich sonst im Prinzip keine Parallelen zur SG ziehen will. Dass ich etwas darüber schreibe, liegt an dem Buch, was ich damals gelesen habe.

 

Dort lautet z.B. die Aussage eines „Abtrünnigen“ sinngemäß: Die Sekte bringe einen so weit, dass man sie nicht verlassen könne, ohne das Gefühl zu haben, selber vernichtet zu werden. Man bekäme fürchterliche Angst, sein Leben zu verlieren und geächtet zu werden[3].

Nach Anschauung dieser Sekte war es übrigens so, dass Frauen, die ihre Haare lang (offen) tragen, als „gefallen“ angesehen wurden. Sie galten als Frauen mit ausschweifendem Lebenswandel ohne Unschuld und Reinheit[4]. (Dies war nun allerdings in der SG kein Kriterium.)

 

In der Mun-Sekte, die sich selbst auch als „Vereinigungskirche“ versteht, war es üblich, von den leitenden Personen etwas vorzuschlagen, so dass die Anhänger anscheinend die Wahl hatten, dem Vorgeschlagenen zu folgen oder nicht. In Wahrheit jedoch handelte es sich um eine Manipulation; denn es gab diese Wahl gar nicht, sondern man „musste“ dem Vorschlag folgen. Dieser Zwang lag einfach darin, dass der Anhänger von soviel Angst und Schuldgefühlen eingeschüchtert war und der Druck, nicht als treulos angesehen zu werden, war so stark, dass natürlich jeder tat, was „vorgeschlagen“ wurde[5].

 

BARBARA UNDERWOOD, welche selbst in dieser Sekte gewesen war, schildert dann, wie eine der Hauptführerinnen ihr eine Frage beantwortete, welche UNDERWOOD zwar nicht befriedigte, aber sie ihre Zweifel beiseite schob, wie es ihr in der Sekte zur Gewohnheit geworden war[6].

 

Mitglieder der Sekte erklärten BARABARA UNDERWOOD, sie hätte durch den Gebrauch ihres eigenen freien Willens gegen das Glaubensprinzip verstoßen, etwas, das absolut und immer verboten war[7]. Es fand wohl ein Gerichtsprozess gegen die Mun-Sekte statt. Auf dem Weg zum Gericht sagte einer der ganz Getreuen zu BARABARA UNDERWOOD: „Ich kann es nicht abwarten, bis wir wieder Sklaven sind. Bei dieser Freiheit jetzt können wir nichts getan kriegen“.

 

Und dadurch wurde BARABARA UNDERWOOD plötzlich bewusst, dass sie ein Sklave war. Gleichzeitig keimte in ihr der Wunsch auf, aber kein solcher mehr sein zu wollen[8].

Als potentielle Vorwürfe gegen die Mun-Sekte wurden immer angeführt:

1.      ihre große Finanzmacht,

2.      die fehlende soziale Ausrichtung.

 

Der Reichtum der Mun-Sekte wurde selbst von dem Rechtsanwalt, der die Sekte in Prozessen verteidigte, als Fragwürdigkeit angesehen, und er hatte einmal gesagt: „Wenn ich einen Volkswagen fahren kann, warum nicht auch sie“? womit eine der leitenden weiblichen Personen der Sekte gemeint war[9], die anscheinend einen wesentlich luxuriöseren Wagen fuhr.

In der Mun-Sekte mussten die Anhänger den eigenen gesunden Menschenverstand und den eigenen freien Willen einem höheren Bewusstsein unterordnen[10]. Es herrschten Dogma, Illusion und Totalitarismus.

 

BARBARA UNDERWOOD gewann erst später eine tiefe Achtung vor der Freiheit, mit der sie eine echte religiöse Bindung entwickelte, die erst durch die Freiheit der Gedanken möglich wurde. Sie war dann auch entschlossen, Gott auf ihrem Weg durch die vor ihr liegende Wildnis (im übertragenen Sinn) ganz allein zu finden[11]. Spiritualität war auch weiterhin der Magnet in ihrem Leben. Als sie die Mun-Sekte verließ, machte sie die große Entdeckung, dass Gott auch außerhalb davon existiert und sie schrieb: „Und seitdem ich außerhalb lebe, finde ich überall Seine Spuren“[12].

 

Sekten dieser Art wie die Mun-Sekte scheinen primär den eigenen Nutzen zu verfolgen. Obwohl sie traditionelle religiöse Werte verkünden, opfern die Sekten diese Werte in der Praxis um der Ausbreitung (vergleiche den Expansionsdrang der >Spirituellen Gemeinschaft< in Teil 27-C) willen und umgehen sie im Streben nach weltlicher Macht. Sekten verbringen ihre Tage damit, neue Anhänger zu werben (!) und Geld zu sammeln. Gefangen in einem Netz aus Unterwerfung und Kontrolle, ist es den Anhängern beinahe unmöglich, die Sekte zu verlassen.

 

Sekten sind so populär, weil sie Zuflucht bieten vor einer Welt ohne klare Maßstäbe für die persönliche und politische Moral, einer Welt, die sie gleichzeitig kritisieren und ausbeuten.

(Dieser letzte Halbsatz mit dem Kritisieren der Welt träfe unbedingt auch auf die SG zu.)

Die Sekte stellt den spirituellen Protest gegen eine säkulare[13] Umwelt dar. Sekten bieten eine künstliche Vertrautheit der Mitglieder untereinander, die auf gemeinsamer ideologischer Identität beruht[14].

 

In dem Roman von MONNICA HACKL >Der Guru< über eine Zen-Sekte steht: Sekten fesseln ihre Anhänger an sich, indem sie ihnen suggerieren, dass ihnen etwas Wesentliches zu ihrem Glück fehlt, welches nur in dieser Sekte zu finden sei. Nie ist eine Erfahrung oder Leistung der Jünger gut genug, immer mangelt es noch an etwas ganz Entscheidendem; denn sonst wären die Jünger frei und würden die Sekte nicht mehr brauchen. So werden die Jünger allmählich lebensuntüchtig und abhängig wie kleine Kinder[15].

 

Geisteswissenschaftliche Aussagen über Sekten gibt es hier in Teil 27-D von STEINER, von dem TIBETER und von KÜHLEWIND. Von letzterem sind sie eingeflochten in verschiedene Passagen des Textes (u.a. ganz zum Schluss dieses Kapitels Nr. 27 in Teil N und bereits früher in Teil C zum ZP 17). Doch zunächst noch einige lexikalische Definitionen:

 

Die Bildung von Sekten trat nach einer lexikalischen Aussage durch die Reformation[16] in Erscheinung[17]. Jedoch könnten auch die bereits davor als Ketzer von der katholischen Kirche verfolgten religiösen Gemeinschaften, die der Inquisition zum Opfer fielen, als Sekten bezeichnet werden. Jedenfalls werden mit dem Begriff Sekte heute meist religiöse Gemeinschaften bezeichnet, die als negativ bewertet werden. Dabei handelte es sich ursprünglich um eine neutrale Bezeichnung einer (philosophischen, religiösen oder politischen) Richtung oder „Gefolgschaft“.

 

Vom FOCUS ist dargelegt, dass die Problematik des Sektenbegriffs darin liegt, dass er auf zwei unterschiedlichen Ebenen benutzt wird[18]:

a) „Im theologischen Sprachgebrauch (vor allem der christlichen Großkirchen) beschreibt er die Abspaltung von einer Mutterreligion: Aufgrund neuer Offenbarungsquellen oder der Überbewertung einzelner Glaubensaspekte beansprucht eine Gruppe für sich, den einzig wahren Weg zum Heil, zur Erlösung oder zum Glück des Menschen zu kennen.“

b) „In der Umgangsprache wird als Sekte in der Regel eine Gruppe bezeichnet, deren Mitglieder ´fanatisch`, d.h. in einem sehr hohen Grad ideologisiert, allein die eigene Weisheit gelten lassen, womit allerdings auch nicht religiöse Gruppierungen in den Sektenbegriff einbezogen werden“.

 

Als Kriterien für Haltungen, welche eine spirituelle Gemeinschaft zur Sekte werden lassen, nennt der FOCUS[19]:

a) „die kompromisslose Fixierung auf das eigene religiöse (bzw. ideologische) Lehrsystem (Fanatismus),

b) darauf aufbauend die Postulierung religiöser bzw. ideologischer Absolutheitsansprüche mit universellem Geltungsanspruch,

c) damit verbunden die Unfähigkeit und der Unwille, Andersdenkenden und ´Abtrünnigen` (Aussteigern, Dissidenten) wahrheitsrelevante Erkenntnisse zuzubilligen (Intoleranz) und

d) in der Regel ein ausgeprägter, Nichtmitglieder strikt ausgrenzender Gruppenegoismus“.

 

Von STEINER werden demgegenüber die Kriterien benannt, welche von einer geistigen Gemeinschaft erfüllt sein müssen, wenn sie keine Sekte sein will[20]:

a) Jeder einzelne Mensch in dieser Gemeinschaft darf ein wirklich freier Mensch sein.

b) Die Gemeinschaft hat keine gemeinsame Meinung, sondern nur jeder Einzelne hat eine individuelle Meinung.

c) Man darf von dieser Gemeinschaft nicht als „wir“ sprechen.

d) Jeder muss für sich selbst voll verantwortlich sein und muss als Individualität sprechen.

 

e) Die Gemeinschaft darf für Außenstehende nicht wie folgt erscheinen: Als ob das eine kompakte Masse sei, die eine bestimmte gemeinsame Anschauung, eine bestimmte gemeinsame Meinung hat, der man sich verschreiben muss, wenn man in diese Gemeinschaft eintreten will. Dies müsste jede selbständige Seele natürlicherweise abstoßen.

f) Ob jemand einer bestimmten Gemeinschaft beitreten kann, darf sich nur darauf begründen, dass es eine Gemeinschaft gibt, die überhaupt den Weg zur geistigen Welt hin sucht.

g) Die Teilnehmer der Gemeinschaft müssen sich nicht auf Glaubensartikel verpflichten.

 

Dass ein Geistesschüler sich nicht blind einer Gruppenmeinung hingeben soll, führt der TIBETER aus: „Ein Schüler ist einer Gruppe angeschlossen, in der die Tendenz zu blinder Ergebenheit vorherrscht; er kam zu dieser Gruppe mit der ausdrücklichen Bestimmung, diese Tendenz mit einem anderen Faktor auszugleichen, nämlich mit weiser Urteilskraft und mentalem Gleichgewicht. Wenn er selbst sich nun von der Gedankenform der Gruppe überwältigen lässt und seinerseits zum blinden Gefolgsmann wird, seine Meditation auf bloße Ergebenheit einstellt und es dadurch unklugerweise unterlässt, den Kausalkörper jener Gruppe ins Gleichgewicht zu bringen, dann beschwört er eine Gefahr herauf, die nicht nur ihm selbst, sondern auch der Gruppe schadet, der er angehört“[21].

 

In der SG war zentral eine „gruppenmäßige“ (und nicht primär individuelle) Bezugnahme auf die Christus-Wesenheit, wie dies auch in vielen anderen abendländischen spirituellen Gemeinschaften und Sekten der Fall ist. Auch der Jünger sollte sich immer primär auf die Gruppe beziehen. Demgegenüber legt STEINER dar, dass >Jesus, der Christus Gottes< keine Wesenheit ist, die jemals von Gruppen irgendwie Besitz ergreift. Sondern Er ist dasjenige Wesen, das keine Gruppen, sondern nur einzelne Individuen kennt, und jeder missversteht die Christus-Entität[22], der glaubt, es gebe von ihr aus irgendeinen Zusammenhang in den Gruppen![23]

 

Und dies, obwohl das Christentum[24] durchaus das Ideal der umfassenden Brüderlichkeit darstellt. Denn in dem Christus leben die Kräfte des hohen Sonnenwesens[25], in denen jedes menschliche Ich seinen Urgrund findet und wodurch in der Folge die Menschheit wieder eine Einheit werden kann. Indem der Heilige Geist individualisiert in des Menschen Seele erwacht, erwacht zugleich die bedeutendste Eigenschaft des Geistes: die Unendlichkeit des Geistigen – und damit kann der Mensch sich seiner Unsterblichkeit und seiner Ewigkeit bewusst werden[26].

Aus Anlass des Pfingstfestes habe ich erst im Jahre 2013 ein gesamtes neues Kapitel Nr. 59 mit dem Titel >Ewiges Jetzt< (Teile A bis E) diesem „Unendlichen (Heiligen) Geist“ gewidmet.

 

Eine positive Bewertung von Sekten führt der TIBETER aus übergreifenden Gesichtspunkten an, denn er meint, dass die Tausende moderner Sekten aus all den verschiedenen religiösen Vereinigungen mit zu den Menschengruppen zählen, die das Auftreten der „Neuen Weltdiener“ vorbereitet haben und vorbereiten[27]. Das bedeutet nicht, dass Sektenmitglieder selbst zu den Neuen Weltdienern gehören müssen, schließt dies aber auch nicht aus. Jedenfalls betont der TIBETER ausdrücklich, dass die Gruppe der wissenschaftlichen Neuen Weltdiener von Sektierertum relativ frei ist, was von den religiösen und politischen Gruppen nicht unbedingt behauptet werden kann[28].

 

Fortsetzung folgt im Teil E zum Kapitel Nr. 27 >Spirituelle Gemeinschaft<.

 

 



[1] Mun-Sekte = Vereinigungskirche: Sie wurde 1954 von dem Koreaner Mun Sun-myung gegründet, nachdem er eine Erscheinung von Jesus gehabt hatte, so dass sie sich als eine christliche Organisation sieht. (Wer tatsächlich dem Koreaner damals als „Jesus“ begegnet war, kann man nicht ohne Weiteres wissen, da - auch in der geistigen Welt – sich immer auch die verschiedensten Entitäten als „Jesus“ ausgeben, wie dies bei mir im Kapitel Nr. 44 >Jesus, der Christus Gottes< dargelegt ist; Anm.d.Verf.) Der Sektenführer, der auch Sun Myung Moon genannt wurde, verstarb am 02.09.2012 im Alter von 92 Jahren (nach www.t-online.de dieses Datums). Hauptsitz ist in den USA. Eine wichtige Einnahmequelle ist der Verkauf von Blumen und Schmuck durch Anhänger, die sich verpflichten, mindestens 100 US-Dollar pro Tag einzunehmen. Die Ideologie der Mun-Sekte sieht das gesamte weltliche Geschehen als ein gottloses, totalitäres System, für dessen Verschwinden die Mun-Sekte kämpft. Dies wird von deutschen Staatsorganen als eine Instrumentalisierung der Religion für die Durchsetzung politischer Ziele (miss-)interpretiert (http://wikipedia.org/wiki/Vereinigungskirche). - Eine solche Deutung von den deutschen Staatsorganen zeugt von einem vollkommen mangelnden spirituellen (religiösen) Verständnis, denn solche Aussagen sind im Prinzip von allen religiösen Gemeinschaften (einschließlich der Staatskirchen) immer mystisch zu verstehen: die Etablierung eines göttlichen Reiches in dieser Welt, was jedoch nach Aussagen von >Jesus, dem Christus Gottes< eben genau nicht möglich ist gemäß Seiner Aussage: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Andererseits soll es in der Zukunft eben doch die Etablierung eines Friedensreiches Jesu Christi auf dieser Erde geben (siehe im Kapitel 15-G >Kosmische Phänomene<), die dann allerdings verwandelt sein wird (Anm.d.Verf.).

[2] UNDERWOOD/Im Bann des Himmels.

[3] UNDERWOOD/S.185

[4] UNDERWOOD/S.185

[5] UNDERWOOD/S.186f.

[6] UNDERWOOD/S.186f.

[7] UNDERWOOD/S.188

[8] UNDERWOOD/S.189

[9] UNDERWOOD/S.212

[10] UNDERWOOD/S.224+232

[11] UNDERWOOD/S.213+198

[12] UNDERWOOD/S.233

[13] säkular: verweltlicht (Meyers Taschenlexikon/S.598)

[14] UNDERWOOD/S.243f.

[15] HACKL/Der Guru/S.119

[16] Reformation: durch Martin Luther ausgelöste religiöse Bewegung, die eine Zerstörung der konfessionellen Einheit des Abendlandes mit sich brachte (Meyers Handlexikon/S.568). 1517 veröffentlichte Marin Luther seine Thesen gegen den Ablassmissbrauch, was als zeitlicher Beginn der Reformation angesehen werden kann (Meyers Handlexikon/S.415).

[17] Handlexikon/S.740

[18] FOCUS/S.229

[19] FOCUS/S.229

[20] STEINER/GA258/S.157-159

[21] TIBETER/Okkulte Meditation/S.131

[22] Über „Christus – Logos der Unendlichkeit“ habe ich ein extra Essay verfasst unter meinem zweiten (männlichen) Pseudonym GARY DAVIDOFF bei dem Online-Verlag https://www.xinxii.com. Ich weise hier in dieser Autobiographie wiederholt aus existentiellen Gründen auf diese geisteswissenschaftlichen Veröffentlichungen hin (mittlerweile sind es 27 Exposés über verschiedene esoterische Themen; denn im Jul.2017 habe ich noch zwei weitere Essays erstellt mit dem Titel „Zeiträume der Erdenentwicklung“ Teil I: Zeitalter – insbesondere über Lemurien und Atlantis und Teil II über die „Kulturepochen“ des Arischen Zeitraumes). Sie sind bei XinXii abrufbar unter der Kategorie „Esoterik“ ==> „Metaphysik“.

[23] STEINER/GA203/S.301

[24] Christentum: siehe FN im Kap. 1-E >Einleitung<.

[25] Sonnenwesen = Sonnenlogos: siehe FN bei „Galaktischer Logos“ im Kapitel 4-B >Asketische Versuche<.

[26] STEINER/GA118/S.183

[27] TIBETER/Weiße Magie/S.443

[28] TIBETER/Weiße Magie/S.444