Sternenschnee

 

Kim Carrey:

Sternenschnee (165)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Lichtdienste (28.C) Missstände



Meines Erachtens lebte diese Frau überhaupt rücksichtslos völlig egozentrische und narzisstische Machtbedürfnisse und Geltungssucht in diesem tabuisierten1 Rahmen aus, die schon an die Maskierung eines dunklen Bruders (bzw. hier einer dunklen Schwester) als Werkzeug des Lichtes erinnern, wie dies im Kapitel Nr. 12 >Schwarzer Magier< thematisiert ist2.


Ja, ich empfand die von ihr ausgehende Dynamik regelrecht als brutal gewalttätig, was um so absurder war, als es inhaltlich um Frieden ging, von dem gesprochen und gesungen wurde. Demgegenüber fanden durch diese Person Gewalttaten innerhalb des Tempels statt, u.z. konkret gegen jeden „Nächsten“ Menschen (im biblischen Sinne).


Auch gab es Sequenzen in dem rituellen Ablauf, wo bestimmte gemeinschaftlich gesprochene Anrufungen in ein rhythmisches „Gehetze“ entarteten. Damit meine ich, dass irgendeine Teilnehmerin (es waren leider überwiegend Frauen) in ein Fahrwasser kam, immer schneller und schneller zu sprechen und alle anderen gezwungen waren, dem zu folgen, weil es eben um ein gemeinschaftliches Sprechen ging.


Meist geschah dieses „Hetzen“ durch eine spezifische andere Teilnehmerin (nicht identisch mit der von mir kritisierten Sängerin), die eigentlich gar nichts zu bestimmen hatte, dies aber durch ihr Fehlverhalten automatisch doch durchsetzte. Eigentlich wäre die Angelegenheit geregelt gewesen durch ein Skript, in welchem die Aufforderung thematisiert war, „… die Anrufungen deutlich, kraftvoll, einheitlich und rhythmisch zu sprechen, und dabei auf das Tempo des Lichtdienstleiters zu achten“. Dies wurde jedoch einfach durch die betreffende Teilnehmerin immer(!) durchbrochen, insofern sie den jeweiligen Lichtdienstleiter völlig ignorierte, und wiederum sie niemals(!) darauf angesprochen wurde. Das Brechen des Reglements wurde also stillschweigend geduldet.


Ich erinnerte mich dann später noch, dass mich diese verschiedenen Diktionen3 der >Lichtdienste< (wie die völlig künstlich forcierte Lautstärke) schon 1984 abgestoßen hatten, als ich dort nur zwei- bis dreimal zu Besuch war. Bedauerlicherweise war die Leiterin diesbezüglich vollkommen immun oder blind, wie auch gegenüber einzelnen anderen Missständen, die dort herrschten. Sie erkannte m.E. zunächst das Problem auch bewusstseinsmäßig gar nicht und im zweiten Schritt hätte sie vermutlich – selbst bei Erkenntnis – eine Ausmerzung des Problems nicht wirklich in Angriff genommen, weil es ihr zudem an Führungsqualität mangelte.


Sie war fast zwei Generationen älter als ich und diese Generation von Anfang des 20. Jahrhunderts hat einfach eine bestimmte offene Sozialisation nicht genießen dürfen, so dass sie keine konstruktiven Auseinandersetzungen kennen. (Ich selbst habe allerdings an dieser Stelle auch versagt, insofern ich mich der dort herrschenden Diktion mit meiner mangelnden Kritik angepasst habe.) Denn es muss hier nach Aussagen des TIBETER in Bezug auf die Leiterin erwähnt werden, dass selbst höhere Eingeweihte immer wieder einmal Irrtümern unterliegen4.


In diesem Fall basierte der Irrtum der Leiterin in einer Missinterpretation von Worten, welche von dem Maha-Chohan5 als Anleitung für Anrufungen und für das Singen von Liedern gegeben worden waren. Die Worte lauten: „Eine kraftvoll gesprochene Anrufung … oder ein mit Begeisterung gesungenes Lied stürmen sozusagen den Himmel und setzen Kräfte in Bewegung, die dem Fortschritt der gesamten Evolution der Erde dienen“6.


Der Maha-Chohan betont dieses „Kraftvolle“ und die „Begeisterung“ in einer Gegenüberstellung zu einem „innigen Gebet aus dem Herzen eines Menschen“ an seinen Gott, welches durchaus einen starken Verbindungsweg zu den höheren Reichen bildet und Kräfte herabholt, die diesen Menschen segnen. Jedoch misst er der „kraftvoll gesprochenen Anrufung“ usw. eine höhere Bedeutung bei.


Eventuell muss man auch dadurch dem Maha-Chohan eine Mitverantwortung an der Missinterpretation zuschreiben in dem Sinne, dass er durch seine Gegenüberstellung den Keim für so etwas gelegt hat. Andererseits kann eben alles – selbst das Heiligste – immer auch missbraucht werden. Denn von der Leiterin wurden die Hinweise des Maha-Chohan so interpretiert, dass die Anrufungen schreiend laut gebrüllt wurden – jedenfalls von einzelnen Teilnehmern.


Demgegenüber gibt es z.B. von Albert Schweitzer7 die Aussage: „Kraft macht keinen Lärm – sie ist da und wirkt“8, was ich mir immer als Maxime9 genommen habe (bzw. dies sowieso meinem primären Wesen entspricht, obwohl ich mich durchaus – selbst vor vielen Menschen – im Notfall laut äußern kann).


Bei den >Lichtdiensten< wurde jedoch definitiv „Lärm“ erzeugt, der für jedes einigermaßen sensible Ohr ein Martyrium darstellte. So dass ich mit Wilhelm Busch10 in Bezug auf die – speziell von der betreffenden Möchtegern-Opernsängerin – im Chor gesungenen Lieder nur sagen kann: „Musik, als Störung oft empfunden, wird leicht zur Qual, da mit Geräusch verbunden“11.


Von SWEDENBORG gibt es noch Darlegungen, weshalb überhaupt ein Ton auf dem physischen Plan eine Lautstärke als Sinnesqualität aufweist: Jeder Schall oder Ton tönt in größerer kosmischer Höhe, wo eine reinere Atmosphäre ist, leise; kommt er in niedere Regionen hinab, wo die Atmosphäre dichter ist, wird er stärker und vollständiger. So ist es mit allen geistigen Ausflüssen: In den höheren Regionen sind sie ruhig und ohne alles Getöse; wenn sie sich aber in die unteren Regionen hinabsenken, werden sie stufenweise unruhiger und endlich geräuschvoll12.

Welche Rückschlüsse würde dies „normalerweise“ auf die Atmosphäre bei den >Lichtdiensten< bedeuten? Dabei muss man allerdings sagen, dass trotz der Missstände eine höhere und reinere Schwingung als in der Außenwelt herrschte.


In einem der Bücher der >Lichtdienste< selbst gibt es demgegenüber sogar die Darlegung, dass die Anrufungen mit innerer Überzeugung und Konzentration gesprochen werden sollen, was ich 100 %-ig bejahen würde. Es wird dann dort erklärt: „Die Gedankenformen, die sich beim Sprechen eurer Worte bilden, verdichten sich, je häufiger ihr sie wiederholt. Die Formen entwickeln ein Eigenleben und haben das Bestreben, ihrem Schöpfer die Energien zu liefern bzw. die Tätigkeiten auszuführen, die angesprochen wurden“.


Sie werden zu Kraftzentren, die ihre wohltuende Wirkung entfalten, sofern ihr sie aufrechterhaltet und mit eurer Energie und Vorstellungskraft speist. … Ihr Schüler, seid konzentriert bei diesem Tun, es sind schöpferische Energien, die ihr in Bewegung setzt. Lasst eure Vorstellungskraft mitwirken, dann werden die Ergebnisse eurer Arbeit beweisen, was ein Mensch zu tun vermag, wenn er im Einklang mit seinem göttlichen Ich und mit den kosmischen Gesetzen schöpferisch tätig ist“13.


Ein weiterer Faktor war, dass die meisten Teilnehmer bei einigen Liedern (oder bei einem bestimmten einzelnen Lied mit einer bestimmten Melodie) tatsächlich anfingen zu schunkeln14, was für mich der Gipfel der Befremdlichkeit in einem heiligen Tempeldienst ist, der damit zu einem Bierzelt des Münchener Oktoberfestes herabgewürdigt wird, wodurch sich gerade „das Weltliche“ charakterisiert.


Ich habe so etwas auch schon bei evangelischen Gottesdiensten im Fernsehen gesehen, wo man versucht, sich an die Gospelsänger15 amerikanischer Freikirchen anzunähern. Hierzu möchte ich jedoch anmerken, dass es m.E. einen Unterschied darstellt, ob Afro-Amerikaner mit ihrer gesamten kulturellen Sozialisation solche Riten vollziehen, oder ob dies ein Mitteleuropäer imitiert.


Dabei darf man nicht denken, dass ich selbst eine dem Bewegungselement abgeneigte, versklerotisierte16 Person sei bzw. war. Im >Vorspann< (Teil A) ist dargelegt, dass ich früher einmal gern getanzt habe. Auch war ich sehr sportlich, wie dies im Kapitel Nr. 9-A >Supramentale Wesen< erwähnt ist. Jedoch ist meine Anschauung, dass dies alles zu seiner Zeit und an dem richtigen Ort zu gelten hat, und in einem Tempel ist dies m.E. definitiv unangebracht.


Auch erfolgte das Singen bei den >Lichtdiensten< manchmal (bei bestimmten Liedern) durch einige Teilnehmer (es waren immer nur Einzelne) in einem lauten begeisterten Gebrülle (was aber nicht identisch war mit dem noch einmal ganz anders gearteten lauten Gesang der Möchtegern-Opernsängerin). Demgegenüber hätte m.E. die Begeisterung mit Inbrunst aus der Tiefe des Herzens entspringen müssen und sich in einer Andachts- und Anbetungsqualität äußern müssen, die ganz sicher nicht laut hätte sein können. Damit meine ich auch nicht, dass das Singen oder die Anrufungen in einer sentimentalen17 Weise erfolgen sollten.


Einmal war es tatsächlich geschehen, dass die Leiterin bezüglich einer bestimmten Anrufung (wo ein Segen erbeten wurde) extra den Hinweis gab, dass diese langsam (!!!) gesprochen werden sollte (weil ihr vermutlich doch endlich einmal aufgefallen war, dass das Gehetze nicht zu ertragen war). Jedoch genauso hätten überhaupt sämtliche Anrufungen gesprochen werden müssen: in getragener Weise in einem bestimmten waltenden Rhythmus, der durchaus dynamisch hätte sein können.


Stattdessen herrschten im Tempel Qualitäten wie auf einem Schlachtfeld, was m.E. eine materialistisch verfälschte Sicht von spirituellen Dingen darstellt.

Von RAINER MARIA RILKE stammt ein schönes Gedicht für eine spirituelle Haltung, welches als erste Zeile hat: „Nicht Geist, nicht Inbrunst sollen wir entbehren, eins um das andre lebend zu vermehren, sind wir bestimmt …“18. Dies ist m.E. das Zutreffendste: dass der Geist durch die Inbrunst transportiert wird und nicht durch Lautstärke.


Es gab noch weitere Missstände, deren Schilderung jedoch den Rahmen hier sprengen würde. Bei so vielen Missständen kann man sich fragen, wieso ich überhaupt auch nur einen Tag oder eine Woche oder einen Monat zu den >Lichtdiensten< hingegangen bin – und nicht von vornherein Abstand genommen habe. Und hier kann man erkennen, wie bedeutsam - jedenfalls für mich - eine solche Teilnahme an rituellen Diensten war und immer noch wäre, wenn ich es nicht so empfinden müsste, dass mir all dieses genommen worden ist.


Gleichzeitig müsste man erkennen, wie unglaublich kompromissbereit ich bin im Verhältnis zu meinen Wahrnehmungen, Empfindungen und Gedanken. Und welches Ausmaß an Selbstverleugnung ich eigentlich in Wahrheit praktiziert habe, insofern meine Wahrheit immer eine völlig andere war und ist.


Bezüglich des dominanten Gesanges der „Möchtegern“-Opernsängerin erfuhr ich später, dass auch andere Teilnehmer Anstoß daran genommen hatten und einfach gleich zu Beginn dann nie wieder dort hingegangen sind. Ich sehe darin regelrecht eine Schädigung des geistigen Auftrags, den die Leiterin zweifellos hat.


Denn erschütternderweise bin ich innerhalb von acht Monaten der einzige Mensch gewesen, der zu den >Lichtdiensten< neu hinzugekommen und geblieben ist! Alle anderen, die einmal zum Kennenlernen teilgenommen hatten (es waren sowieso nicht sehr viele gewesen), sind alle nie wieder gekommen. Des weiteren sind von Teilnehmern, die schon längere Zeit vor mir zu den >Lichtdiensten< gekommen waren und die ich noch kennengelernt hatte, einige sukzessive immer häufiger weggeblieben, so dass sich die Teilnehmer überhaupt immer mehr reduzierten.


Dies wäre für mich nicht ohne weiteres ein Kriterium für die Bedeutung einer geistigen Gemeinschaft, wenn ich nicht Vergleichsmöglichkeiten hätte. Allein bei der >Spirituellen Gemeinschaft< (Kap. Nr. 27) geschah ein fortgesetzter bleibender Zuwachs an Mitgliedern. Der Anteil der Austritte war jedenfalls wesentlich niedriger als der Zuwachs, wie man dies dort offiziell mit Zahlen erfahren hat und dies die gesamte Anzahl von Hunderten von Teilnehmern sowieso bestätigte.


Es ist dies mit ein Grund, weshalb ich glaube, dass die Angelegenheit mit der Lautstärke und die weiteren Missstände bei den >Lichtdiensten< nicht nur ein Problem meiner Person gewesen sind, sondern dass es sich um einen objektiven Missbrauch heiliger Mysterien gehandelt hat, ein Missbrauch von ansonsten heiligen Handlungsabläufen. Ein solcher Missbrauch ist seit dem Atlantischen Zeitraum19 bezüglich der Mysterien immer wieder einmal vorgekommen und kommt auch noch fortgesetzt vor.


Neben der Deutung der Fehlinterpretation von rituellen Durchführungen kam auch noch die Analyse von mir hinzu, dass eben einzelne Personen unter dem Deckmantel der >Lichtdienste< diese für völlig persönliche Intentionen missbraucht haben – wie bereits dargelegt. Bei diesen ist der >Lichtdienst< primär nur Anlass und Mittel, um ganz bestimmte eigene psychopathische20 Motivationen auszuleben, die mit dem >Lichtdienst< absolut nichts zu tun haben, sondern regelrecht im Gegensatz dazu stehen. Diesen Personen müssten durch die Leitung Grenzen gesetzt werden, was jedoch nicht geschehen ist.


Dass ich übrigens die Missstände überhaupt acht Monate lang ertragen hatte, lag daran, dass sich erst in den letzten zwei Monaten das Verhalten der „Möchtegern“-Opernsängerin steigerte, als sie sich aus bestimmten Gründen bewusst in meine Nähe setzte, was sie früher nicht getan hatte. Es war nämlich auch ihr Ehemann ein entscheidender höherer Teilnehmer, der immer aus organisatorischen (also völlig unpersönlichen) Gründen in meiner Nähe saß (bzw. ich „zufällig“ in seiner Nähe, ohne dass ich jedoch nur die geringste Absicht in Bezug auf seine Person hegte und er auch nicht auf mich – außer, dass eine allgemein-menschliche Sympathie zwischen uns herrschte).


Als ihr diese räumliche Nähe zwischen ihrem Mann und mir vollkommen zu Bewusstsein kam, war ihr dies ein Dorn im Auge, und sie orientierte sich entsprechend ihres Sitzplatzes um, indem sie sich neben ihren Mann setzte. Dadurch wurde die Situation von der Lautstärke her unerträglich für mich. Ich selbst konnte meinen Sitzplatz wiederum aus anderen Gründen nicht wechseln, was ich sonst durchaus getan hätte.


Nun komme ich zurück auf meine Teilnahme am Kirchenchor, wie diese in Teil 28-B zum Mai 2010 angesprochen ist.

Unter monatelangen innerseelischen Kämpfen bin ich nämlich schließlich auch dort im Laufe des Jahres 2013 wieder ausgeschieden, was ich hier in diesem Kapitel Nr. 28-B das erste Mal am 13.02.2014 erwähnt habe. Die Gründe sind relativ kompliziert – und wenn, dann wäre dieses Kapitel hier die richtige Stelle, um etwas darüber darzulegen. Ich kann jedoch nur Andeutungen machen: Objektiv hätte ich dort nicht ausscheiden müssen. Es war im Wesentlichen durch eine innerseelische Schicksalskonstellation bedingt, dass ich mich doch so entschieden habe.


Ich wollte nämlich auf keinen Fall solche Charakterzüge entwickeln wie diese Möchtegern-Opernsängerin bei den >Lichtdiensten<. Diese Gefahr besteht m.E. bei vielen Sängern, wie ich dies auch in „meinem“ Chor beobachten konnte, u.z. speziell bei denen, die doch etwas besser als die anderen gesangsmäßig begabt sind und auch über eine etwas lautere Stimme verfügen. Dieses expressive21 Singen fördert einfach sehr stark eine gewisse Ego-Manie, die in der Sache selbst begründet liegt. Denn nur bescheiden und demütig kann man bestimmte Partituren nicht angemessen singen.


Trotzdem war im Grunde die Situation im Chor doch ganz wesentlich eine andere als bei den >Lichtdiensten<, und in einem großen Kirchensaal darf man (ja muss man) „auch“ laut singen. Bei den >Lichtdiensten< handelte sich um die Größe eines besseren Wohnzimmers.


Jedoch bemerkte ich bei mir in Laufe der Jahre innerhalb des Kirchenchores, dass mein Potential durch die gesangsmäßige Selbstschulung, der ich mich unterzog, so stark anwuchs, dass sich bei den anderen immer mehr Neid entwickelte; denn niemand übte auch nur ansatzweise so wie ich. Dieses Üben tat ich nicht, um auch nur irgendjemanden überflügeln zu wollen, sondern weil dies meinem Perfektionsdrang entspricht; denn man darf nicht vergessen, dass ich als völlig mittelmäßige (ja teilweise unfähige) Sängerin begonnen hatte.


Auch verwandelte sich auf fast mysteriöse Weise meine Stimme von ebenfalls mittelmäßiger Belanglosigkeit zu einer besonderen Qualität, worüber ich selbst irgendwie verwundert war. Die Sängerin, die unmittelbar vor mir saß, hatte von sich aus das Bedürfnis, mir dies mehrmals (ernsthaft positiv gemeint) rückzumelden, während andere dies tunlichst übergingen.


Tatsächlich hat auch der Chorleiter mich in wohlmeinender (wenn auch gruppendynamisch ungünstiger) Weise mehrmals im Beisein von anderen gelobt gehabt, was er sonst niemals tat. Er wollte nicht glauben, dass ich mein ganzes Leben lang gar nicht gesungen hatte. Und er scheute sich sogar nicht, anzudeuten, dass er sich ein solches Üben auch bei manchen andern wünschen würde. Dies war nun natürlich alles „Wasser auf die Mühlen“.


Gleichzeitig ist das Letzte, was ich will, dass ich bei anderen Menschen unangenehme Gefühle erwecke (was sich leider sowieso nie ganz vermeiden lässt). Da es für mich wiederum undenkbar war, mein Potential so sehr zurückzustutzen, dass es mir keinerlei Freude mehr bereitet hätte, war für mich klar, dass ich verzichten würde. Die vorstehenden Darlegungen geben nur einen Bruchteil der vollständigen Zusammenhänge wieder, auch wenn sie sich so lesen mögen, als ob sie die Situation adäquat widerspiegeln.


Wie angedeutet, habe ich monatelang gerungen, ob ich den Schritt zum Ausscheiden machen soll: Denn durch fast schon professionelles Singen erhöht man eben doch die Eigenschwingung des Organismus ganz enorm, was ich sehr oft in meinem Kopf bemerkt habe. Dies ist m.E. bei den ganz hohen Tönen auch noch einmal zusätzlich der Fall. Auf diese Erhöhung der Eigenschwingung zu verzichten, ist der m.E. schwerste egoistische Verlust gewesen. Als weniger egoistischer Aspekt ist natürlich der Verlust, dass man Gott doch ausdrücklich durch das Singen lobpreist und ehrt und IHM dadurch spezifisch dient und ich diesen spezifischen Dienst nun nicht mehr erbringen konnte.


Zum Trost erlebte ich dann jedoch einen Traum am 18.05.2013, den ich definitiv mit dieser beabsichtigen Schicksalsentscheidung von mir in Zusammenhang bringe; denn in einer ersten Sequenz dieses Traumes ging es auch um das Singen. In einer weiteren Sequenz kam dann jedoch eine Situation, wo ich selbst wie hinter einer Art Mauerecke war, wobei die Mauer irgendwie eine mittlere Höhe hatte und ich meinen rechten Arm auf die Mauer gelegt hatte. Plötzlich kam ganz unerwartet ein Löwenkopf um die Ecke herum und der Löwe legte seine Tatze auf meinen Arm.


Ich erschrak so ohne Sinn und Verstand, dass ich meinen Arm entzog und den Löwen mit einer Bewegung verscheuchen wollte, ohne Bewusstsein über die wirklich mögliche Gefährlichkeit der Situation. Der Löwe zuckte wohl kurz zurück, aber dann kam er mit seinem Kopf ein zweites Mal hervor – ganz friedlich. Trotzdem trat ich dann wohlweislich den Rückzug an und die Situation mit dem Löwen war vorbei. Es waren wohl die ganze Zeit über andere Menschen bei mir in der Nähe gewesen, die aber nicht direkt in die Situation involviert waren.


Über den Löwen vom esoterischen Standpunkt aus finden sich verschiedene Darlegungen im Kapitel 46-A >Existenzsicherung<. Danach repräsentiert der Löwe wohl immer eine okkulte, kosmische oder willensmäßige Situation. Das entscheidende an dem Traum vom 18.05.2013 war für mich die friedliche, ja sanftmütige Art des Löwen in seinem Verhalten zu mir, der sich nicht einmal durch meine Abwehrbewegung provozieren ließ. (Als ich dies gerade am 13.02.2014 in den PC tippte, setzte ein >Signalton< in meinem rechten Ohr ein.)


Diese Sanftmütigkeit rührte mich dann regelrecht bei der Protokollierung; denn ich hatte auch schon gefährliche Begegnungen mit einem Löwen. Ich schlussfolgerte aus dieser Sanftmütigkeit, dass der Löwe es gut mit mir meinte, u.z. bezüglich meiner damals beabsichtigen (noch nicht durchgeführten) Entscheidung, den Chor zu verlassen. Ich meine damit, dass meine Entscheidung schicksalsmäßig abgesegnet sein würde.


Durch den Löwen wird oft die Begegnung mit den Mächten des Herzens und das Geheimnis ihrer Verwandlung dargestellt. Der Löwe repräsentiert regelrecht das Herz und ebenso alle Eigenschaften des Starkmutes und des Stolzes, aber auch diejenigen der reißenden Gewalt, des Mutes und der Schicksalsergebung22.


Wenn der Löwe zum Lamm wird, bedeutet dies, dass ein Mensch bereit geworden ist, sein Schicksal duldend auf sich zu nehmen. In meinem Fall verstehe ich darunter den Verzicht auf den Chor. Denn wenn man sich gegen die Schicksalsmächte empören würde oder ihnen mit Hochmut und gekränktem Stolz begegnen würde, dann wäre der Löwe nicht so sanftmütig, lauten die Aussagen bei MEYER.23. Erst wo die Herzensruhe eingetreten ist, wird der drohende Löwe sanft24.


Fortsetzung folgt im Teil D zum Kapitel Nr. 28 >Lichtdienste<.


1 tabuisieren: etwas für unantastbar erklären (D/F/S.711).

2 TIBETER/Okkulte Meditation/S.148

3 Diktion: FN in Kap. Nr. 2-C >Erleuchtung<.

4 TIBETER/Okkulte Meditation/S.145

5 Maha-Chohan: In Teil 28-A ist in einer FN dargelegt, dass nicht ganz klar ist, ob es sich um den venezianischen Meister Paul oder um Saint Germain (alias Noah Asana Mahatari) handelt (Anm.d.Verf.).

6 BRÜCKE/Lichtarbeit (von Meister El Morya)/S.10

7 Albert Schweitzer: elsässischer Theologe, Philosoph, Arzt und Organist, *1875, +1965. In der Theologie begründete er die eschatologische Auffassung des Urchristentums (siehe hier im Kapitel Nr. 47 >Prophetin Gabriele<). In der „Ehrfurcht vor dem Leben“ sah er das Fundament der Ethik; gründete ein Spital in Lambarene (Gabun); Schriften zum Leben Jesu und zur Musik von Johann Sebastian Bach. 1952 Friedensnobelpreis (NGL/Bd.II/S.762).

8 Literaturquelle nicht bekannt / aus Notizen der Verfasserin.

9 Maxime: subjektiver Vorsatz für das eigene sittliche Handeln (D/F/S.452).

10 Wilhelm Busch: deutscher Zeichner, Maler und Dichter, *1832, +1908. Verband in seinen Bildergeschichten Humor mit bis zur Groteske reichender Komik. >Max und Moritz<, >Die fromme Helene< (NGL/Bd.I/S.132).

11 Literaturquelle nicht bekannt / aus Notizen der Verfasserin.

12 SWEDENBORG/Leben und Lehre/S.154

13 Literatur von: Die Brücke zur Freiheit e.V., D-10709 Berlin.

14 schunkeln: sich mit dem Oberkörper hin und her wiegen (besonders zu mehreren, indem man sich bei den Nachbarn einhängt) (HERMANN/Rechtschreibung/S.841).

15 Gospelsong: religiöser Volksgesang der schwarzen Bevölkerung der USA; den Spirituals vergleichbar (NGL/Bd.I/S.326). Spirituals sind definiert als religiöse afroamerikanische Gesänge, die in einem Chor mit Solisten gesungen werden (NGL/Bd.II/S.800).

16 Sklerose: Text im Kap. 13-K >Aurisches Wesen< und im Kap. Nr. 35-A >Astraler Stein<.

17 sentimental: rührselig, übertrieben gefühlvoll (D/F/S.661).

18 Das vollständige Gedicht von RILKE ist dargelegt im Kapitel 51-H >Sonderaufstieg<.

19 Atlantischer Zeitraum: FN bei 1-C >Einleitung< zu „Lemurischer Zeitraum“.

20 psychopathisch: charakterlich von der Norm abweichend. Ein Psychopath ist ein Mensch mit nicht mehr rückbildungsfähigen abnormen Erscheinungen des Gefühls- und Gemütslebens, die sich im Laufe des Lebens auf dem Boden einer erblichen Disponiertheit entwickeln. Psychopathie: aus einer erblichen Disponiertheit heraus sich entwickelnde Abartigkeit des geistig-seelischen Verhaltens (D/F/S.601).

21 expressiv: ausdrucksvoll (D/F/S.229)

22 MEYER/S.132ff.

23 MEYER/S.134

24 MEYER/S.279