Sternenschnee

Kim Carrey:

Sternenschnee (226)

Esoterische Studien einer Autobiographie

Sonnenfinsternis (41.C) Antichrist

 

 

Auch das Beispiel des der Welt abgestorbenen Lebens wirkt zum Nutzen eines aufmerksamen Laien, der zur Selbstbesinnung geführt und zum Gefühl der Gottesfurcht bekehrt wird. „Der Mensch dieser Welt, der vom frommen Eremiten reden hört und etwa an dessen Klause vorübergeht, empfindet eine Anregung zu frommem Leben. … Der stumme Eremit unterweist durch sein Schweigen; er bringt Nutzen durch sein Leben; er überzeugt und erbaut das Gemüt, Gott wahrhaft zu suchen“[1].

 

Es wird dann noch dargelegt, dass selbst ein Mensch, der den Weg des Schweigens nur zu dem Zweck beschreiten würde, um sich vor der Gemeinschaft der ihm Ähnlichen zu verbergen (weil er – träge von Natur – nicht darauf bedacht ist, eifrig zu wirken), einen entsprechenden Nutzen wie ein Eremit hätte. Obwohl dies eigentlich als ein schlechtes und die anderen Menschen verführerisches Beispiel gelten könnte, so brächte selbst solch ein (redefauler) Mensch einen großen Nutzen und würde die Gesellschaft, in der er lebt, günstig beeinflussen. Dieser große Nutzen liegt in der Beseitigung der Versuchungen, die sich unmittelbar aus einem Gemeinschaftsleben ergeben und welche immer die Sittlichkeit der Nächsten gefährden – so lautet jedenfalls die Argumentation des Eremiten in dem Buch vom russischen Pilger.

 

Von einem anderen russischen Eremiten werden dann die Aussagen zitiert: „Die Tatenlosigkeit des Schweigens sollst du mehr lieben, als die Sättigung der Hungernden in der Welt, auch mehr als die Bekehrung vieler Völker zu Gott. Besser ist es, dass du dich selber von den Banden des Bösen lösest, als dass du Sklaven von den Ketten der Knechtschaft befreist“[2].

 

Und von einem weiteren geistlichen Schriftsteller wird die Aussage angeführt: „Wenn der Staat bis zur höchsten Stufe der Bildung und Moralität entwickelt wäre, bestünde darum immer noch die Notwendigkeit und die Sorge, Menschen für andere, d.h. kontemplative[3] Aufgaben zu haben, um nämlich den Geist der Wahrheit zu stützen, diesen von den vergangenen Jahrhunderten zu übernehmen und für die kommenden Zeiten zu bewahren, um ihn dadurch den Nachkommen überliefern zu können“[4].

 

Der Eremit Klimakos sagt denn auch: „Das Stillesein ist des Gebetes Mutter, Rückkehr aus der Gefangenschaft der Sünde, ein nicht fühlbarer Fortschritt in den Tugenden und ein unentwegter Aufstieg gen Himmel“[5]. Auch hat >Jesus, der Christus Gottes< selber des öfteren die Predigt in der Gemeinschaft gemieden und sich in die Einöde zurückgezogen, um in der Wüste zu beten und Ruhe zu finden.

Aus allen Argumenten soll somit folgen, dass auch der schweigende Eremit den Nächsten dienlich sein kann und dem Nutzen und Wohl der Gesellschaft durch sein einsames Beten mitwirkend dient.

 

Ich selbst habe übrigens phasenweise (wenn ich nicht Verpflichtungen wahrzunehmen hatte) über mehrere Tage mit keinem Menschen ein Wort gesprochen, und war dabei keinesfalls unglücklich; wenn auch nicht völlig zufrieden damit. Im Gegenteil dazu empfand ich die meiste menschliche Kommunikation mittlerweile als seelische Last. Allerdings sehe ich immer noch fernsehen (Aussage vom Juli 2016), auch wenn ich dies phasenweise immer wieder einmal aufgegeben hatte, was im Kapitel Nr. 4-B >Asketische Versuche< geschildert ist. Jedoch besteht eben durch das Fernsehen eine äußere (wenn auch einseitige) Verbindung zur menschlichen Gemeinschaft.

 

Fast zehn Jahre lang (vor August 2009) war ich real ziemlich stark von privaten Kontakten isoliert, wobei ich hier mein Schicksal noch einmal ändern konnte, indem ich seit Aug.2009 verschiedene neue >Freundschaften< gewonnen hatte (siehe auch im Kapitel Nr. 54-A >Wahnsinn oder unendliche Liebe<), was sich alles zwischenzeitlich schon wieder geändert hat. Die bis einschließlich Juni 2015 bezüglich meiner >Freundschaften< stattfindenden Entwicklungen und meine Reflektionen dazu sind im Kapitel Nr. 38-E dargelegt.

 

Anlässlich des 20. Todestages der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann[6] gab es im Oktober 1993 über sie eine Fernsehreportage mit dem Titel eines Zitates, was sie über sich selbst geäußert haben soll, welches lautete: „… der ich unter Menschen nicht leben kann“.

Manchmal habe ich ähnliches über mich selbst gedacht, obwohl der größte Teil meines Lebens das Gegenteil davon auszusagen scheint. Ursprünglich war ich sogar außerordentlich gesellig, hatte zahlreiche (sehr) gute >Freundschaften< (Kap. Nr. 38), war auf vielen „Feten[7], wie dies in der 68-iger Generation[8] hieß, und habe selbst diverse Geselligkeiten veranstaltet.

 

Mit größerer Verinnerlichung wurde mir jedoch Kommunikation immer mehr zur Qual, insbesondere wenn diese nicht freiwillig gewählt war, wie dies bei meiner Arbeit der Fall war. Das, was mir zutiefst zuwider wurde, ist selbstentfremdende Konversation, die kein echtes und tieferes Gespräch ermöglicht.

 

Letztlich sind jedoch auch alle meine >Freundschaften< auf die verschiedenste Weise in die Brüche gegangen, obwohl ich bis dahin eigentlich mein ganzes Leben lang immer auch beliebt war. Jedoch ist es als Geistesschüler anscheinend unumgänglich, dass man in die Isolation gerät, wie dies im Kapitel 38-B >Freundschaft< und im Kap. Nr. 29-C >Avatarin< als okkultes Phänomen beschrieben ist.

 

Nun muss ich aber endlich zu der esoterischen Deutung der >Sonnenfinsternis< kommen, wie auch der Titel dieses Kapitels genannt wurde. Bezüglich jeder >Sonnenfinsternis< sollte immer das Bewusstsein herrschen, dass die Sonne selbst sichtbarer Ausdruck des Gottessohnes (Kapitel Nr. 17 >Erscheinen einer Sonne<), des Christus-Mysteriums ist[9]. Deshalb ist vor allem zur Zeit einer >Sonnenfinsternis< ein wachsendes Gewissen wichtig, weil dann die Wärme und das Licht der Sonne ausgeschaltet sind und kalte und finstere (widergöttliche) Kräfte versuchen können, Eintritt ins menschliche Bewusstsein zu erlangen[10].

 

Denn in dem verfinsterten Streifen, der während einer >Sonnenfinsternis< über die Erde zieht, werden die zerstörerischen Besetzungen vorgenommen, weil in diesem Moment der Christus dort nicht hinschaut. Währenddessen können die bösen Kräfte des Kosmos auf die Erde einströmen. Die Besetzungen betreffen dabei sowohl einzelne Menschen als auch die gesamte Menschheit. Alle Löcher können während einer >Sonnenfinsternis< besetzt werden. Alle Hohlräume, die in der Erde von Menschen geschaffen worden sind, können sich in so einem Moment mit sehr großen negativen Wesen füllen[11].

 

Ein weiterer Aspekt der >Sonnenfinsternis< wird wie folgt benannt: In dem verfinsterten Streifen läuft die Vergangenheit direkt über die Erde und verdeckt damit einen Teil der Erde. Dadurch können die aufsteigenden schlechten Taten der Menschen vom Antichrist[12] gesehen werden, welcher sich im Kosmos befindet. Dies ist ein notwendiges Geschehen, weil der Antichrist von diesen Taten sonst nichts wüsste[13] - er aber aus bestimmten Gründen davon erfahren soll, was leider nicht näher ausgeführt wird.

 

Wer ist nun überhaupt der „Antichrist“?

Der Antichrist wird in den >Briefen des Johannes< im Neuen Testament (nach der Übersetzung von Martin Luther) auch „Widerchrist“ genannt und von Luther selbst wird er als „Endchrist“ bezeichnet[14]. Ansonsten wird der Antichrist mit vielen verschiedenen Erscheinungen und Personen identifiziert. Nach okkulten Gesichtspunkten lässt sich dies jedoch etwas eingrenzen.

 

Der Antichrist soll sich nach STEINER aus der widergöttlichen Hierarchie von Luzifer[15] als ein Führer rekrutieren, der sich dem Christus gegenüberstellt und gleichzeitig für Unkundige dem Christus in verschiedenen Erscheinlichkeiten zum Verwechseln ähnlich sehen kann.

Die Gefahr für die Menschen, diesem Antichrist zu verfallen ist sehr groß, wenn sie nicht ausdrücklich ein innerliches Leben neben allen Notwendigkeiten des alltäglichen Lebens pflegen, namentlich über >Meditation< (Kap. Nr. 40), religiöse Andacht oder aber auch mittels der Erkenntnisse der metaphysischen Geisteswissenschaft[16] (siehe im Kapitel Nr. 24-H+i+J >Ashram< in Verbindung mit Rudolf Steiner).

 

Anders als bei STEINER stellt nach POWELL der Antichrist die Inkarnation von Ahriman[17] in einem Menschen dar. Während STEINER der Unterscheidung von Ahriman und Luzifer eine große Bedeutung beimisst, gibt es Anschauungen, wonach beide eigentlich identisch sind (siehe Fußnote im Kapitel 6-B >Stigmata<), was dann auch bezüglich des Antichrist einen anderen Schwerpunkt ergeben würde.

 

In dem Moment nun, wo Ahriman als Mensch geboren wird bzw. sich inkorporiert[18], ist er nach POWELL nicht mehr die Geistwesenheit Ahriman, sondern der Mensch „Antichrist“.

Bei den drei Wesenheiten Antichrist, Ahriman und Satan handelt es sich nach POWELL[19] immer um dieselbe Geistwesenheit: Antichrist wird sie nach christlicher Tradition genannt, von STEINER wird sie als Ahriman bezeichnet und die jüdische Tradition nennt sie Satan.

 

Nach Darlegungen im >Flensburger Heft< kommt der Antichrist als geistige Wesenheit von Regionen außerhalb unseres Kosmos, u.z. als eine Art gegensätzlicher Bruder des Christus. „Er ist der schwarze, der umgestülpte Bruder des Christus. Er kommt von außerhalb desjenigen Kosmos, dessen Zentrum das Christus-Wesen ist. In diesem Kosmos, und zwar auf der Erde, ist das Christus-Wesen durch den Tod gegangen[20] und hat dadurch die Freiheit erschaffen. Es hat die Möglichkeit veranlagt, einen neuen Kosmos zu schaffen. Aber in diesem Moment musste als eine Art Gegengewicht ein Wesen von außen auf diese Christus-Tat schauen, denn sonst wäre sie nicht möglich gewesen“[21].

 

Durch die Inkarnation von Ahriman als Antichrist auf der physischen Ebene wird die Menschheit vor die Wahl gestellt zwischen dem Antichrist und >Jesus, dem Christus Gottes<, der nur auf der ätherischen Ebene sichtbar ist, was eine Wahl zwischen Gut und Böse bedeutet, insofern der Materialismus gegenüber einer spirituellen Anschauung als das Böse anzusehen ist[22]. Andererseits soll diese Wahl nach POWELL ein Ende haben im Jahre 2047, wo die Zeit der Versuchung für die Menschheit vorüber ist, die bereits seit dem Jahre 869 bestanden haben soll[23]. Nach Darlegungen im Kapitel 15-i >Kosmische Phänomene< zum Apokalyptischen Geschehen kann es jedoch auch sein, dass das Ende dieser Wahl schon früher eintreten wird.

 

Der Antichrist ist gegen die Heilsbestrebungen von >Jesus, dem Christus Gottes< gewandt, weil er den Menschen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse auf der Erde verspricht. Dadurch wenden sie sich völlig ab von der zu erstrebenden „Geistigen Wiedergeburt[24], die allein ein Leben im Königreich Gottes vorbereitet, was das einzige Ziel des menschlichen Daseins ist (siehe im Kapitel Nr. 53 >Hoffnung<).

 

„Geistige Wiedergeburt“ ist die Geburt des unsterblichen neuen Menschen innerhalb der klein-menschlichen Persönlichkeit, die nur in dem Maße stattfindet, wie der Mensch die niederen Ich-Prinzipien aufgibt und stattdessen das vierte makrokosmische Prinzip des Christus in sich einziehen und herrschen lässt. Nur durch das Selbstopfer des Ich-Wesens ist die totale Ich-Zerbrechung möglich, wie sie in verschiedenen geistigen Richtungen angestrebt wird[25].

 

Dem hellseherischen Blick stellen sich während einer >Sonnenfinsternis< alle Dinge, welche durch Menschenkunst und Menschentechnik hervorgebracht worden sind, so dar, dass aus ihnen sich dämonische Wesen erheben (siehe Kapitel Nr. 11 >Dämonen<). Und Rudolf Steiner (siehe im Kapitel Nr. 24-H+i+J >Ashram<) äußert darüber, wie selbst für ihn als hellsichtigem Geistesforscher ein gewisses starkes Gemüt und ein Durchdrungensein von dem Bewusstsein der Notwendigkeit (dass das alles entstehen musste) erforderlich war, um diesen dämonischen Anblick zu ertragen[26].

 

Bei LORBER sind die geistigen Hintergründe einer >Sonnenfinsternis< wie folgt angedeutet: Es soll sich bei dem Auftreten einer >Sonnenfinsternis< um einen außerordentlichen kosmischen Konflikt handeln, dessen tiefgreifende Zusammenhänge jedoch den Menschen nicht offenbart werden dürfen.

 

Aber es kann sich ja selbst der Naturwissenschaftler vorstellen, dass wenn die Strahlen der Sonne von mehr als 50.000 Meilen[27] eine Unterbrechung erhalten, dies nicht ohne auch naturwissenschaftlich feststellbare Folgen bleiben kann. Geistig ist mit den Sonnenstrahlen prinzipiell für die Natur der Erde ein Segen verbunden, so dass also dieser Segen eben auch eine entsprechende Unterbrechung erfährt.

 

Fortsetzung folgt im Teil D zum Kapitel Nr. 41 >Sonnenfinsternis<.

 



[1] JUNGCLAUSEN/S.226

[2] JUNGCLAUSEN/S.228

[3] Kontemplation: FN im Kap. Nr. 2-C >Erleuchtung<.

[4] JUNGCLAUSEN/S.229

[5] JUNGCLAUSEN/S.229

[6] Ingeborg Bachmann: österr. Dichterin, *1926, +1973; Lyrik, Hörspiele, Erzählungen, Essays (Meyers Taschenlexikon/S.65).

[7] Fete (frz.): Fest (HERMANN/Rechtschreibung/S.385).

[8] 68-iger Generation: Der Schwerpunkt der Zeit der APO in den Jahren 1966 bis 1969 (wo ich selbst im jugendlichen Alter war). APO ist die Abkürzung für „Außerparlamentarische Opposition“, die eine Aktionsgemeinschaft war, welche ihre Interessen nicht von den parlamentarischen Kräften vertreten sah und diese außerhalb des Parlaments durchzusetzen versuchte (Meyers Taschenlexikon/S.43). – Ich selbst hatte damit allerdings nichts zu tun, weil ich aktionsmäßig zu unpolitisch war (Anm.d.Verf.)

[9] POWELL/Das größte Geheimnis/S.113

[10] POWELL/Das größte Geheimnis/S.113

[11] Flensburger Heft/Nr.79/S.104

[12] Antichrist: Nach altjüdischen und christlichen Vorstellungen ist der Antichrist ein teuflischer Gegenspieler des Messias (griech.: Christos; FN bei 15-E >Kosmische Phänomene<) und wird von den Juden deshalb auch als „Antimessias“ bezeichnet (FOCUS Fakten/Glaube in Deutschland/S.51). Weiteres im Text des hiesigen Kapitels 41-C. – Über den Messias existieren Erklärungen a) in einer FN im Kap. 14-B1 >Ursprungsfamilie< und b) in einer FN im Kap. 44-D >Jesus, der Christus Gottes<.

[13] Flensburger Heft/Nr.80/S.135

[14] FOCUS Fakten/Glaube in Deutschland/S.51

[15] Luzifer: FN bei 6-B >Stigmata<.

[16] STEINER/GA130/S.334

[17] Ahriman: FN bei 6-B >Stigmata<.

[18] Inkorporation: FN bei 23-C >Priesterseele<.

[19] POWELL/Das größte Geheimnis/S.24

[20] Der Christus ist im >Mysterium von Golgatha< durch den Tod gegangen, wie dies im Kap. Nr. 70 dargelegt ist.

[21] Flensburger Heft/Nr.79/S.190

[22] POWELL/Das größte Geheimnis/S.96

[23] POWELL/Das größte Geheimnis/S.91

[24] Geistige Wiedergeburt: FN bei 4-A >Asketische Versuche<.

[25] JAN van RIJCKENBORGH/Der kommende Neue Mensch/S.364

[26] STEINER/GA148/S.27

[27] Meile: angelsächsisches Längenmaß. Eine geographische Meile entspricht 7,4 km (NGL/Bd.II/S.549), was für die Länge der Sonnenstrahlen 370.000 km bedeuten würde.